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12. Ausgabe
Sonn(en)tag
Ausgabe 18. Mai 2025
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
Unsere alte Heimat Deutschland kommt in dieser Ausgabe nur als Ausflugstipp vor. Mit der politischen Situation werde ich mich beim nächsten Mal wieder intensiver befassen. Das bedarf einiger Recherche. Die Lage ist zu heikel, um da mal eben mit einem saloppen Spruch um die Ecke zu kommen. Aber Heinrich Heine sei mir bitte kurz gestattet: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht ...“
Wie schätzen Sie die Situation ein? Wohin bewegt sich Deutschland? Lassen Sie mich gerne Ihre Einschätzung wissen.
In der vergangenen Ausgabe habe ich Ihnen zum ersten Mal die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung des Sonn(en)tags eingeräumt. Herzlichen Dank an die Spender. Von jetzt ab werden Sie am Ende jeder Ausgabe einen entsprechenden QR-Code finden.
Dass diese Ausgabe etwas kürzer ist, haben Sie (m)einem Magen-Darm-Infekt zu verdanken. Ich wünsche Ihnen eine wundervolle Woche bei bester Gesundheit.
Herzlichst
Ursula Weyermann
[email protected]
Jahrestag
18. Mai 2018
Eine Erinnerung an einen Amoklauf und einen falschen Zeugen:
Die Highschool in der texanischen Kleinstadt Santa Fe ereilt am 18. Mai 2018 der Albtraum eines Amoklaufs. Ein 17-Jähriger eröffnet im Kunstraum der Schule das Feuer. Zehn Menschen tötet er, 13 weitere werden verletzt. „Überraschung“ soll der Täter noch gerufen haben, bevor er zu schießen begann. Später wird er nach einem Schusswechsel festgenommen, gibt zu Protokoll, er habe auch sich selbst erschießen wollen. Einer der wichtigsten Zeugen damals: David Briscoe. Die Social-Media-Postings des Aushilfslehrers klangen atemlos, der Mann war offenbar ganz nah dran. Seine Geschichten gingen durch die US-Medien. Doch ein Jahr später ergaben Recherchen des „Texas Tribune“: Seine Geschichte kann nicht wahr sein.
CNN erzählte Briscoe, wie er heroisch seinen Schülern befahl, sich zu verstecken, und wie er sie beschützte bis die Polizei eintraf. Im „Wall Street Journal“ stand zu lesen, wie er die schlimmen Schreie von Schülern und Schülerinnen in den Fluren hörte. Über David Briscoe war überall zu lesen. Und seine Erzählungen machten ihn zu einem Zeugen, den man wieder anspricht, wenn man zum Jahrestag an die schlimmen Ereignisse erinnern will. Genau das hat der „Texas Tribune“ getan. Die Redaktion hat David Briscoe ausfindig gemacht, der seine Geschichte gerne noch einmal erzählt hat. „Sehr, sehr laut“ seien die ersten Schüsse durch das Gebäude gehallt. Er habe gleich reagiert und seine Englisch-Schüler dazu gedrängt, die Hände vor den Mund zu pressen, um Schreckensschreie zu dämmen – damit der Amokläufer nicht auf sie aufmerksam werden könne. Er habe die Türen verbarrikadiert und das Licht gelöscht.
Und schließlich soll er in dem Interview emotional geworden sein. Niemals wieder könne er an die Schule zurückkehren, beteuerte der Mann laut dem Bericht. „Nur zu wissen, dass Blut an den Wänden klebt, an denen man vorbeigeht ... ich glaube nicht, dass ich zurückgehen könnte.“ Ohnehin habe er das Unterrichten aufgegeben und sei nach Florida umgezogen, rund drei Monate, nachdem er den Job an der Santa Fe High angenommen hatte, berichtete er dem „Texas Tribune“. Doch weitere Recherchen der Redaktion zu dem Geschehen vor einem Jahr ließen erhebliche Zweifel an den Erzählungen Briscoes aufkommen. Ein Ermittler der Galveston County-Polizei sagte der Redaktion: „Alles, was ich sagen kann ist, dass wir keine Aussage von einem Briscoe haben“. Und: Dass der angebliche Zeuge berichte, die Schüsse seien „sehr, sehr laut“ gewesen, passe nicht recht. Wenn er irgendwo anders im Gebäude sei als im fraglichen Korridor, habe er kaum etwas anderes gehört haben als den Feueralarm. Den habe ein Lehrer ausgelöst, um die gesamte Schule zu warnen. Die Schüsse hätten sich in den Kunsträumen ereignet, die Englisch-Klassen seien in einem anderen Teil des Schulgebäudes gewesen. Mehr noch: Eine Sprecherin des für die Santa Fe High zuständigen Schulbezirkes teilte dem „Texas Tribune“ mit, dass dort kein David Briscoe bekannt sei. Und vor allem: Die Schulverwaltung sei ganz sicher, dass sich niemand dieses Namens am Tag des Massakers auf dem Schulcampus aufgehalten hat. Auch einige Überlebende, die von der Redaktion kontaktiert wurden, hätten ausgesagt, dass sie keinen David Briscoe kennen. Ebenso habe ein Sprecher der Colonial High School in Orlando (FL) auf Anfrage gesagt, dass - anders als zuvor behauptet - kein David Briscoe in ihrer Schule eine Rede gehalten habe, um über seine Erfahrungen aus Santa Fe zu berichten. Letztlich gab es keinen Zweifel mehr: Einen David Briscoe hat es an der Santa Fe High nie gegeben, seine Geschichten sind samt und sonders frei erfunden und: „Ich habe nie in Texas gelebt“, wie der angebliche Briscoe dem „Tribune“ noch zu Protokoll gegeben haben soll, ehe er bestritt, je mit der Redaktion gesprochen zu haben und schließlich alle Kontaktwege kappte.
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Petra Schäfer - 25 Jahre in Venus
Petra Schäfer lebt seit 1999 in Texas, genauer gesagt in Venus. Was sie da hin gebracht hat, ist die Liebe gewesen. Eine Vergängliche. Die Wahre soll etwas später kommen und bis heute anhalten. Mit Cliff Schäfer baut sie schließlich auf dem Grundstück, das sie zusammen mit ihrem ehemaligen Mann erworben hat. Als sie Cliff kennenlernt, ist ihr Sohn Johnathan 9 Jahre alt. Heute ist er 29 und bewohnt mit den beiden zusammen das Areal.
Petra stammt aus Stockstadt in Südhessen. Wie der Name vermuten lässt, hat ihr Ehemann Cliff Schäfer deutsche Vorfahren. Sein Opa väterlicherseits ist damals aus Deutschland mit dem Schiff rübergekommen“, erzählt Petra Schäfer. Albert habe der geheißen und seine Frau Kunigunde.
Am Wochenende ist die Hessin meistens in Fort Worth anzutreffen. Auf der Air-Base NASJRBX. „Petra’s Naehstueberl“ steht auf ihrem großen Anhänger zu lesen. Und darin lässt sich so ziemlich alles finden, was irgendwie mit Sticken zu tun hat. Vor dem Sticken kam das Nähen. „Aber komischerweise nicht durch meine Oma, die Schneiderin war“, lacht sie. „Früher hab ich mal was für meine Barbie genäht. Aber dann nie mehr drüber nachgedacht“. Etliche Jahre später soll sie ihrem Mann Namensschilder in die Uniform nähen und ganz allmählich auf den Geschmack kommen. Ihr Mann, ein passionierter Motorradfahrer, wünscht sich Do Rags und ist von dem Ergebnis begeistert. Sie näht weitere, die sie, ermutigt durch ihren Mann, verkauft. Und dann geht es los mit dem Sticken. Die erste Stickmaschine wird gekauft, die Feuerwehr gibt Hemden zum Besticken in Auftrag. „Das macht mir großen Spaß“, so Petra Schäfer. „Aber es ist und bleibt eher ein Hobby.“
Was sie an Deutschland vermisst sind die Eltern, Freunde und das Kegeln. „Ich war Sportkeglerin und hab mit acht Jahren angefangen“, erzählt sie stolz. „Und ich hab es zur Bezirksmeisterin und Hessen-Meisterin gebracht.“ Mit Bowling hat sie hier nicht wirklich einen Ersatz gefunden. Beim letzten Besuch haben die Eltern ihr eine Kegel-Kugel mitgebracht. Mit der hat sie sich dann auf die Bowling-Bahn begeben. „Leider ist die Kegel beim Spiel am Transport gescheitert.
Bei Schäfers wird oft und gerne deutsch gegessen. Schnitzel, Rouladen, Spätzle. Und Petra backt gerne und traditionell deutsch. Und zum Thanksgiving-Essen bei der Familie ihres Mannes darf ihr Apfelkuchen niemals fehlen.
Ihr Stüberl auf der Base hat sie immer mit einer amerikanischen und einer deutschen Flagge geschmückt. Was manchmal zu lustigen Missverständnissen führt. „Wenn die Leute die deutsche Flagge sehen, denken die oft, bei mir gibt es Bratwurst.“

Petra und Sohn Johnathan - Foto: privat

Mit dem Naehstueberl auf Achse - Foto: privat
Google „darf“ zahlen
Der Internet-Riese Google hat sich jetzt bereit erklärt, 1.4 Milliarden US-Dollar zu zahlen, um einer Klage wegen Datenschutzverletzungen entgegenzuwirken, die der texanische General-Staatsanwalt Ken Paxton gegen das Unternehmen erwirkt hat.
Die Klage wurde 2022 eingereicht. Paxton wirft dem Unternehmen vor, unrechtmäßig private Daten von Benutzern zu verfolgen , darunter Geo-Lokalisierung, Inkognito-Suchen und biometrische Informationen. Google will die Zahlung aber nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen. Ebenso führe dies nicht dazu, bestimmte Produkte oder das Verhalten den Kunden gegenüber zu ändern, so das Unternehmen gegenüber dem „Texas Tribune“.
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Termine für Deutsche in Texas
21. Mai, 13 Uhr
Mai-Kaffeerunde
Herb & Earnie's
Copperas Cove
24. Mai, 12.00 - 15.00 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(dieser Stammtisch findet jeden Samstag statt)
24. Mai, 13.00 Uhr
Deutscher Stammtisch
im Restaurant Edelweiß
708 Edwards Drive
Harker Heights
12. Juni, 13.00 Uhr
Deutscher Liederkranz
Restaurant Brick Oven
12093 US-190
Kempner
14. Juni, 19.00 Uhr
Stammtisch Waco
Biergarten Pivovar
320 S 8th St
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Ausflugstipp: Burg Hornberg am Neckar

Wunderbarer Ausblick - Foto: Viktoria Marina
Der heutige Ausflugstipp bezieht sich mal auf Deutschland und sei denjenigen unter Ihnen ans Herz gelegt, die gerade die alte Heimat besuchen oder einen Besuch in nächster Zeit planen. Eine Leserin fragte mich, ob ich an Fotos aus Deutschland interessiert sei. Und so bin ich auf die Idee gekommen, alle 5 oder 6 Wochen einen Ausflugstipp der alten Heimat zu widmen. Schickt mir gerne Fotos und Anregungen.
Kennen Sie Götz von Berlichingen und sein berühmtes Zitat? Der hat auf der Burg Hornberg gewohnt. In Neckarzimmer, am Neckar gelegen, wie der Name vermuten lässt. Ganz in der Nähe von Heilbronn. Die Burg wurde im 11. Jahrhundert erbaut und thront erhaben über dem Tal und den Weinbergen. Die Burg ist von April bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise liegen zwischen 5 und 11 Euro.
Vielen Dank an Viktoria Marina für die tollen Fotos.

Ritter-Rüstung auf der Burg - Foto: Viktoria Marina
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