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16. Ausgabe
Sonn(en)tag
Ausgabe, 15. Juni 2025
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
die heutige Ausgabe befasst sich gleich in drei Artikel mit Fredericksburg. Zum einen lebt und arbeitet da die fleißige Paula Kager in ihrem „Kuckucksnest“, das so einiges - nicht nur zum Thema Trachten - zu bieten hat. Fredericksburg ist immer einen Ausflug wert und sei Ihnen damit als Tipp ans Herz gelegt. Und dann gibt es da noch die Geschichte mit dem „Mainzer Adelsverein“.
Herzlichst
Ursula Weyermann
[email protected]
Jahrestag
15. Juni 1990
Am 15. Juni 1990 einigen sich beide deutschen Staaten in einer gemeinsamen Erklärung über das Verfahren zur Regelung der offenen Vermögensfragen. Nach dem Fall der Mauer kamen viele Alteigentümer aus der Bundesrepublik in den Osten zurück. Sie gingen in die Grundbuchämter, um ihren Anspruch auf ehemaliges Eigentum geltend zu machen. In der Erklärung werden die Ansprüche enteigneter oder durch staatliche Verwaltung in ihrer Verfügungsbefugnis beschränkter Eigentümer geregelt. Nach dem Vermögensgesetz gilt prinzipiell der Grundsatz „Rückgabe vor Entschädigung“. Sofern eine Rückgabe nicht möglich ist, etwa wenn sich eine öffentliche Straße oder ein öffentliches Gebäude auf dem fraglichen Grundstück befindet, kann stattdessen für den erlittenen Vermögensverlust eine Entschädigung geleistet werden. Dies ist der Startschuss für den großen Beutezug auf Immobilien und Grundstücke im Osten.
Zuhause in Fredericksburg - Paula Kager und das „Kuckucksnest“

Bei Paula findet jede ihr Dirndl - Foto: Privat
Mit einer kleinen Holzhütte hat alles angefangen. Das ist vor 23 Jahren gewesen. Heute befindet sich Paula Kagers Shop auf 6000 Square-Feet und nennt sich „Kuckucksnest“. Das Geschäft befindet sich in der „deutschen“ Hochburg Fredericksburg und Paulas Waren erfreuen sich großer Nachfrage. Alles was das deutsche – speziell das bayrische – Herz begehrt. Dirndl in allen Farben, Größen und Formen. Lederhosen. Hüte. Socken. Kuckucksuhren. Vieles, vieles mehr.
Gebürtig ist die 75-Jährige aus Ludwigshafen. Seit 2000 lebt sie in Texas, nachdem sie bereits 30 Jahre in Florida gelebt hat. Dort hat sie Baptist Kager kennengelernt. Bruder und Schwägerin des gebürtigen Bambergers waren mit ihr zusammen in einem deutschen Club. Baptist, in Amerika Bob genannt, und Paula haben geheiratet und sind zusammen nach Texas gegangen. Er hat zu ihr gesagt: „Du brauchst net schaffe.“ Aber ganz ohne Arbeit, das wäre ihr viel zu langweilig gewesen.
Wie die Idee zum „Kuckucksnest“ entstanden ist? Paula ist oft nach Deutschland gereist, um Familie und Freunde zu besuchen. Da kam bei ihren Freunden in Amerika oft die Frage auf: „Kannst du mir was mitbringen?“ Gardinen seien häufig gewünscht worden, blickt Paula Kager zurück. Und so sei irgendwann die Idee entstanden, einen Shop zu eröffnen. „Ich bestelle alles in der Bamberger Gegend, Hüte und so weiter. Die Kuckucksuhren kommen natürlich aus dem Schwarzwald.“ Sorgen macht die Geschäftsfrau sich jetzt wegen der gestiegen Zollgebühren für Importe aus Deutschland in die USA. Aber aufgeben will sie nicht, vor allem weil ihr Ehemann Ende letzten Jahren gestorben ist, und sie froh ist, durch das Geschäft Ablenkung zu haben.
Paula Kager hat zwei Söhne, einer lebt in Tennessee. Der andere hat in Oklahoma gelebt und ist dort beerdigt. In Deutschland lebt noch ein Bruder, den sie bald nochmal besuchen möchte. Aber leben könnte sie dort nicht mehr. Zumal ihr Bruder ihr gesagt hat, dass die Lage zur Zeit in Deutschland nicht gut sei.
Paula Kager und ihre Waren sind auch außerhalb Frederickburgs anzufinden. So verkauft der Bavarian Grill in Plano aus Paulas Palette. Ob auf dem Oktoberfest in Fort Worth oder New Braunsfeld oder Festivals wie in Tomball ist die Chefin immer selbst zu finden, manchmal unterstützt durch ihre Enkelin. Auf Festivals sind T-Shirts mit dem Aufdruck „Ramstein“, „Kaiserslautern“, „Ansbach“ oder „Baumholder“ der Renner. Und sonst läuft alles rund um die Tracht.

Paula Kager weiß immer Rat - Foto: Privat

Kuckucksuhr im Kuckucksnest - Foto: Privat
Der Mainzer Adelsverein und das Texas-Projekt
Die meisten Deutschen zieht es im 19. Jahrhundert im Familienverband oder allein nach Amerika. Dennoch kommt es mitunter zur Bildung religiöser oder weltlicher Auswanderungsvereinigungen, die Siedlungsprojekte in den USA verfolgen. Für das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz ist hier vor allem der Mainzer Adelsverein zu nennen, dessen dilettantische Tätigkeit zur „größten Katastrophe in der Geschichte der deutschen Auswanderung“ führt.
Auf Initiative einer in Mainz stationierter Gruppe adeliger Offiziere wird am 20. April 1842 in Biebrich bei Wiesbaden der „Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“ gegründet mit dem Ziel, die Not der Untertanen durch ihre Ansiedlung in Texas, damals eine unabhängige Republik, zu lindern. Zugleich soll die zu gründende Kolonie neue Absatzmärkte für die deutsche Wirtschaft eröffnen. Im Mai 1842 schickte der Verein zwei seiner Mitglieder, die Grafen Joseph von Boos-Waldeck und Victor August von Leiningen, nach Texas, um Land zu kaufen. Im Mai 1844 schickt der ‚Mainzer Adelsverein' (so die landläufige Bezeichnung), der zwischenzeitlich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ist, Carl Prinz zu Solms-Braunfels als ersten Generalkommissar nach Texas. Die ersten Einwanderer gehen im Dezember 1844 in Texas an Land, in der Nähe von Carlshafen (später Indianola).Doch erst im März 1845 gelingt es Solms-Braunfels, nahe dem Guadalupe River ein Stück Land für die ersten Siedler zu kaufen. Er nannte die neue Siedlung Neu-Braunfels nach dem oberhessischen Sitz seiner Familie. Aufgrund logistischer Probleme und des ungeschickten Wirtschaftens des Prinzen droht das Projekt zu scheitern. Das Eintreffen weiterer Auswanderer, die kaum versorgt werden können, führt zu noch größeren Problemen. Solms-Braunfels' Nachfolger, der preußische Verwaltungsjurist Otfried Hans Freiherr von Meusebach, vermag jedoch eine Katastrophe abzuwenden. Der Traum von einer deutschen Kolonie platzt endgültig 1845, als Texas in die USA aufgenommen wurde.
Durch die Vermittlung des Vereins kommen bis 1847 knapp 7400 Deutsche nach Texas, die anfangs erbärmlichste Zustände ertragen müssen. Unzählige dieser Menschen fallen Seuchen zum Opfer oder verhungern. Allmählich gelingt es Meusebach, die Verhältnisse zu stabilisieren. Er gründet 1847 den Ort Friederichsburg (Fredericksburg) und handelt einen Friedensvertrag mit dem Stamm der einheimischen Comanchen-Indianern aus. Dennoch gelingt es dem Verein aus Geldmangel nicht, jeder Familie 130 Hektar Land zur Verfügung zu stellen, wie vor der Auswanderung versprochen. Als diese Missstände in Deutschland bekannt werden, erklärt der ‚Adelsverein' alsbald seine Zahlungsunfähigkeit und löst sich 1848 auf.
Trotz des Fiaskos entstehen rund um New Braunfels und Fredericksburg allmählich blühende Siedlungen, die durch Zuzüge verstärkt werden. Viele der Siedler stammen aus dem Westerwald, insbesondere aus dem Raum Montabaur. Noch um 1900 gibt es rund 100.000 deutschsprachige Texaner, vor allem im zentraltexanischen Siedlungsgürtel (German Belt) zwischen Austin und San Antonio.
Vom Adelsverein animiert - Bild: ai/J. Staud
Kein Taurus - noch mehr Geld!
Neue Richtung in der deutschen Ukraine-Politik. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) teilte jetzt auf einer Pressekonferenz mit, dass es keine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine geben werde. Die Ukraine fordert seit Langem die Lieferung dieser Waffe mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern, mit der von der Ukraine aus Ziele weit in russisches Staatsgebiet hinein angegriffen werden könnten. Liefert Deutschland aber den Taurus-Flugkörper inklusive der entsprechenden Fachleute, wäre es de facto Kriegsteilnehmer. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stellte der Verteidigungsminister der Ukraine aber weitere 1,9 Milliarden Euro Militärhilfe in Aussicht. Wenn der Bundestag diese zusätzliche Summe beschließe, werde Deutschland in diesem Jahr damit insgesamt rund 9 Milliarden Euro der Ukraine zur Verfügung stellen, sagte Pistorius.
Ob der Abstand zum Taurus mit den kritischen Stimmen in der SPD rund um Rolf Mützenich und Norbert Walter-Borjans zu tun hat, ist nicht bekannt. Aber klar ist, dass die „SPD-Friedenskreise“ auf Gespräche mit Russland und einen Stopp der Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen gedrängt haben.
Luther-Bibel zurück in Boerne
Eine 400 Jahre alte Bibel ist in der University of North Texas aufwändig restauriert worden. Jetzt ist sie wieder zurück in der Patrick Heath Library in Boerne. 1614 ist sie gedruckt worden und ist eines von nur sieben bekannten Exemplaren und gewährt einen Einblick in das kulturelle und religiöse Leben der deutschen Einwanderer in Texas und ihre Reisen durch den Lone Star State. Der Ursprung des Artefaktes ist in der Zeit der protestantischen Reformation unter dem Einfluss Martin Luthers zu finden. Luther hat den heiligen Text für Menschen, die nicht Latain verstehen, zugänglich gemacht.
Bei dieser Bibel handelt es sich um eine deutschsprachige Übersetzung von Luther.
Ausflugstipp: Fredericksburg
Wenn es mal wirklich deutsch sein soll, dann bietet sich Fredericksburg an. Die knapp 12.000 Einwohner starke Stadt ind Gillespie County wird 1846 von deutschen Einwanderern gegründet und ist bekannt für ihr deutschsprachiges Erbe und ihre deutsch-amerikanische Kultur, ebenso für ihre deutsche Architektur, ihre Restaurants mit deutscher Küche und ihre deutsch-amerikanischen Veranstaltungen. Die Stadt hat sogar eine Partnerstadt in Deutschland, Montabaur. Beliebte Attraktionen in Fredericksburg sind das National Museum of the Pacific War, das Texas Wine Country und der Enchanted Rock State Natural Area.
Ein großer Teil des National War Museums ist Admiral Chester W. Nimitz gewidmet. Dessen Großvater, Karl Heinrich Nimitz Jr., war ein deutscher Auswanderer aus Bremen.Chester W. Nimitz ist im Zweiten Weltkrieg Kommandant der US-Pazifikflotte. Er ist bekannt für seine strategische Führung und spielt eine Schlüsselrolle beim amerikanischen Sieg gegen Japan im Pazifik. Nach Pearl Harbor übernimmt er das Kommando und führt den Angriff an, der letztlich den Sieg der alliierten Streitkräfte besiegelt.
https://www.pacificwarmuseum.org
Termine für Deutsche in Texas
18. Juni, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb and Ernie's
Copperas Cove
18. Juni, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights
21. Juni, 15.30 bis 17.30 Uhr
Kaffeeklatsch der DFW-Gruppe
303 S Elm St,
Keller
21. Juni, 12.00 - 15.00 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(dieser Stammtisch findet jeden Samstag statt)
5. Juli, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights
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