20. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , 13. Juli 2025

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Ausgabe ist etwas anders … etwas kürzer und etwas persönlicher. Da ich zur Zeit „auf Heimat-Urlaub“ bin, gibt es kein Porträt der Woche. Die Kommunikation über den Großen Teich hinweg gestaltet sich, wegen der Zeitverschiebung, ziemlich schwierig. Stattdessen biete ich Ihnen heute eine Geschichte, die ich vor vier Jahren geschrieben habe, als ich noch ständig hin und her reisen musste. Mittlerweile habe ich eine Greencard und könnte mir nicht mehr vorstellen, in Deutschland zu leben. Aber es gibt da Sehnsuchts-Orte und Sehnsuchts-Menschen, so dass ich mir auch heute noch die Frage stelle: Was ist die Mehrzahl von Zuhause?
Ebenfalls vor vier Jahren habe ich in Deutschland die Auswirkungen der Flut im Ahrtal miterlebt. Menschen aus dem erweiterten Umfeld haben Angehörige und Hab und Gut verloren, ähnliches passiert jetzt in Texas. Einer meiner Bonus-Söhne hat vor wenigen Wochen an einem Jugend-Camp teilgenommen. Zum Glück ist er wohlbehalten wieder nach Hause gekommen. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Verwandten der Verstorbenen und Vermissten im Kerr County. Was da passiert ist und warum es passiert ist, muss restlos aufgeklärt werden. Aber auf eine Art und Weise, die den Opfern und Angehörigen Respekt zollt.

Herzlichst

Ursula Weyermann
[email protected] 

Jahrestag

13.Juli 1973
Am 13. Juli 1973 wurde im Rahmen der Watergate-Affäre bekannt, dass Präsident Nixon ein Tonbandsystem im Oval Office hatte, das seine Gespräche und Telefonate aufzeichnete. Diese Enthüllung, die durch Alexander Butterfield vor dem Senatsausschuss gemacht wurde, führte zu einer monatelangen Auseinandersetzung über die Herausgabe der Bänder. Am 13. Juli 1973 sagte Alexander Butterfield, ein ehemaliger Mitarbeiter des Weißen Hauses, vor dem Watergate-Sonderausschuss des US-Senats aus. Er gab bekannt, dass es seit 1971 ein Tonbandsystem im Weißen Haus gab, das alle Gespräche und Telefonate von Präsident Nixon aufzeichnete. Diese Aussage war eine entscheidende Wendung im Watergate-Skandal, da sie bestätigte, dass Nixon und seine Mitarbeiter Beweismittel für die Einbruchsversuche in das Watergate-Hotel, dem Hauptquartier des Democratic National Committee, besaßen.
Die Enthüllung führte zu einer Forderung des Senatsausschusses nach Herausgabe der Bänder, was zu einer juristischen Auseinandersetzung mit Nixon führte. Der Streit um die Bänder zog sich über Monate hin und gipfelte in einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, der Nixon zwang, die Bänder herauszugeben. Die Aufnahmen enthielten belastendes Material, das Nixons Verwicklung in den Skandal bestätigte und die Aussagen von Zeugen wie John Dean stützten.
Die Watergate-Affäre und die damit verbundenen Enthüllungen über die Verstrickung Nixons führten letztendlich zu seinem Rücktritt am 8. August 1974.

Was ist die Mehrzahl von Zuhause?

Haben bei uns ein Zuhause gefunden - Foto: Privat

Hin- und hergerissen in schwierigen Zeiten - Foto: J. Staud

Als ich klein war, trugen die Mädchen noch Kleidchen und hatten Zöpfe. Aufgrund der Beschaffenheit meiner Haare wollte das mit den Zöpfen nie so recht klappen und zum Spielen draußen waren Kleidchen eher ungeeignet. Die erste Hose, an die ich mich bewusst erinnern kann, war eine braune Feincordhose. Da muss ich sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein. Das war schon cool irgendwie. Noch cooler war nur eine so genannte Texas-Hose. Im Zusammenhang mit dieser Hose, die später Jeans genannt werden sollte, hörte ich zum ersten mal „Texas“. Und genau da sitze ich jetzt. In Dublin/Texas. Vor mir mein PC, daneben fünf Schreibhefte, vollgeschrieben mit der ersten Hälfte meines zweiten Kreuzau-Krimis. Und in meinem Kopf die Frage: Was ist die Mehrzahl von Zuhause?

Stolz der Texaner

Texas, our Texas, all hail the Mighty State …“ Ich ertappe mich dabei, wie ich leise mitsinge und sogar ein bisschen stolz bin. Die Texaner sind einfach auf alles stolz. Auf die Schlacht von Alamo, die 1836 zur Unabhängigkeit von Mexiko führte … auf eine kleine Blume, die sich Bluebonnet nennt und gefühlt in jedem dritten Country- und Western-Song erblüht. In jedem noch so kleinen Kuhdorf gibt es ein Museum. Auch das ist dem Stolz der Texaner geschuldet. In Kreuzau gibt es kein Museum, obwohl Kreuzau eine lange Geschichte und 5000 Einwohner im Hauptort und 18000 in der gesamten Gemeinde aufzuweisen hat. Noch nicht mal die Geschichte des Namens 'Kreuzau' wird mit Stolz erzählt. Dabei hat ein Splitter des Heiligen Kreuzes dazu beigetragen, dass der Ort Oberau – gleich neben Niederau – in Kreuzau umbenannt wurde.
 Dublin/Texas ist ländlich. Sehr ländlich. Drei Kätzchen spielen im Garten und wagen sich ab und zu auf die Veranda, wo es Trockenfutter gibt, das die Indoor-Katze meiner Schwiegermutter naserümpfend ablehnen würde. Sooo schlecht kann das Futter aber nicht sein, denn gestern Abend hat sich ein Opossum über die Reste her gemacht. Wir haben drinnen im Dunkeln das Beuteltier beobachtet, die kleinen Kätzchen haben das von ihrem 'Versteck' aus – unter dem Banana Tree – gemacht. Wenn es dunkel ist, leuchten die Lichter auf den Veranden in einem dezenten Grün. In Erinnerung an die irischen Auswanderer, die sich dereinst hier ansiedelten. Gerade wird der Banana Tree von einer milden Herbstsonne beschienen, von meinem Mann bewässert und von den Kätzchen bespielt. So schön und friedlich.

Bonanza

Als ich ein kleines Mädchen war, ohne Zöpfe … aber mit Texas-Hose, besuchten wir oft sonntags meine Cousinen. Sonntags natürlich im Kleidchen - oder zumindest mit kratzender Stoffhose - ausgestattet. Ich freute mich über meine Cousinen, fünf an der Zahl, Tante und Onkel … und 'Bonanza' oder 'Die Leute von der Shiloh Ranch'. Wir besaßen zu der Zeit noch gar keinen Fernseher, aber selbst wenn doch, diese Filme, die so wunderbar mit meiner derben Hose zu harmonisieren schienen, hätten wir uns nicht ansehen dürfen. Also meine kleinen Brüder nicht, und deswegen ich auch nicht. Im 'Wilden Westen', in der Prärie, wurde immer geschossen. Das ist auch heute noch so. Wir haben zunächst in Fort Worth gewohnt, und da hat es täglich zumindest einen Toten durch Schüsse gegeben. Wie gerne wäre ich manchmal ein bisschen durch die Gegend spaziert. Vermutlich nicht so clever, wenn 'Shut by driving' zwei Ecken weiter passiert ist. Da hab ich mich dann doch manchmal nach langen Spaziergängen im beschaulichen Kreuzau gesehnt. Der Rur entlang, die vermint gewesen war, um im Zweiten Weltkrieg die Amerikaner zu stoppen. Übrigbleibsel des verheerenden Krieges finden sich noch überall. Auch menschliche. Auch texanische. So wurden noch 2008 in einem Stoppelacker in Nähe des Hürtgenwaldes Knochen eines abgeschossenen texanischen Piloten gefunden.

Spaziergang an der Rur

Hereinkatapultiert in eine Welt, die fremd ist … und doch so vertraut. Mein Körper ist wieder in Deutschland, im beschaulichen Kreuzau. Seele und Schlaf sind noch nicht ganz angekommen. Aber die Spaziergänge an der Rur sind genau so schön, wie in der Erinnerung. Der Aufenthalt hier ist begrenzt. Mein Herz ist voll von Banana Tree, Kätzchen und meinem Mann und tiefer Sehnsucht nach ihnen. Und wieder ist sie da, die Frage: Was ist die Mehrzahl von Zuhause?

Weg entlang der Rur - Foto: U. Weyermann

Flutkatastrophe in Texas

Mindestens 120 Menschen kamen bei den Sturzfluten vom 4. Juli in Kerr County und Zentraltexas ums Leben. Mehr als 12.300 Menschen, Freiwillige und Rettungskräfte, suchen weiterhin entlang des Guadalupe Rivers nach den noch immer vermissten 161 Personen.
Währenddessen werden Schuldzuweisungen laut und Fragen sind zu klären: Hat das Frühwarnsystem rechtzeitig funktioniert? Ist an falscher Stelle gespart worden? Warum hat der Fire Chief von Austin Hilfe verweigert? Hat es eine Wolken-Impfung gegeben? Das alles muss zügig geklärt werden. Auch, um weitere Katastrophen zu verhindern.
Und gibt es da auch Helden, die gar keine sein wollen: Bei seinem allerersten Rettungseinsatz, kaum einen Tag im Dienst, half Scott Ruskan, Unteroffizier der Küstenwache, mindestens 165 Menschen vor den katastrophalen Sturzfluten in Zentraltexas zu retten, wie foxnews.com berichtet.

Coast Guard

Der 26-Jährige aus New Jersey war Teil eines Luftrettungsteams der Coast Guard, das bei Unwetter startete, um nach Camp Mystic zu kommen, wo Hunderte eingeschlossen waren. „Sie brauchten eine Luftbrücke“, so Ruskan gegenüber cbsnews.com. „Brücken und Straßen waren weg, und das Wasser stand zu hoch für eine Bootsrettung. Die einzige Möglichkeit war eine Luftbrücke.“
Gelandet, blieb der junge Offizier vor Ort um Überlebende zu versorgen und Hubschrauberbesatzungen zu leiten. Dabei arbeitete er mit den Blackhawks der Armee und den MH-65-Kampfflugzeugen der Coast Guard zusammen und leitete stundenlange und hochriskante Evakuierungen. Trotz nationalem Lob spielte er seine Rolle herunter und sagte, jeder an seiner Stelle hätte genau so gehandelt.

R.i.P. - Foto: U. Weyermann

„Babies“ klagen gegen Trump-Gesetz

Joseph Laplante, ein Bundesrichter in New Hampshire hat jetzt Trumps Anordnung zur Staatsbürgerschaft durch Geburt blockiert. Und das, obwohl der Oberste Gerichtshof in einem kürzlich ergangenen Urteil die Befugnisse von Richtern einschränkt, landesweite Unterlassungsverfügungen zu erlassen.
Im Klartext: Bis dato hat jedes Kind, dass in den den Staaten geboren worden ist, die amerikanische Staatsbürgerschaft bekommen. Trump will diese nur noch gewähren, wenn mindestens ein Elternteil US-Bürger ist. Die Anordnung, die am 27, Juli in Kraft treten soll, würde diesen Kindern, auch rückwirkend, die Staatsbürgerschaft verweigern.
Der von George W. Bush ernannte US-Bezirksrichter Joseph Laplante hat einer Sammelklage der betroffenen Neugeborenen stattgegeben und konnte so das Urteil umgehen und die Sperre landesweit anwenden. Laplante hat entschieden, dass die Politik dem 14. Zusatzartikel der US-Verfassung und einem wichtigen Präzedenzfall des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr 1898 widerspricht und potenziell jedes Jahr über 150.000 Babies betreffen könnte.

Sommertheater in Berlin

Es sollten drei neue Verfassungsrichter ernannt werden. Darunter Frauke Brosius-Gersdorf auf Wunsch der SPD. Offene Kritik gab es von Beatrix von Storch (AfD), da Brosius-Gersdorf Befürworterin der Abtreibung bis zu Geburt ist. Ob Merz als Mitglied einer christlichen Partei mit dieser Personalie keine Probleme habe, wollte sie wissen. Die habe er nicht, sagte er, obwohl es in den Reihen der CDU deswegen auch Widerstand gab. Als ihm und Spahn aber klar wurde, dass es bei der anstehenden Wahl vermutlich 40 Gegenstimmen innerhalb der Union gäbe, musste eine Lösung her. Und so tauchten aus dem Nichts Plagiats-Vorwürfen gegen Brosius-Gersdorf auf. Damit stehe ihre fachliche Expertise in Zweifel, heißt es in der CDU. In ihrer Dissertation gibt es „23 Verdachtsstellen auf Kollusion und Quellenplagiate“ und, laut Klaus-Peter Willisch, „fast identische Passagen mit der Habilitationsschrift ihres Mannes. Aber: Die Doktorarbeit Brosius-Gersdorfs erschien 1997, die ihres Ehemannes Hubertus Gersdorf erst 2000.
Die Wahl ist jetzt auf die Zeit nach den Sommerferien verschoben worden. Was auch immer man von Brosius-Gersdorf halten mag, das war Schmierentheater erster Güte.

Noch immer sind drei Sitze frei - Bild/ai: J. Staud

In eigener Sache

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Ausflugstipp: Monschau in der Eifel (D)

Rotes Haus in Monschau - Bild/ai: J. Staud

Monschau selbst als Skulptur in der Glashütte - Foto: J. Staud

Wie angekündigt, gibt es alle sechs bis sieben Wochen einen Ausflugstipp für Deutschland. Jetzt ist es mal wieder so weit. Wen es in die Eifel, besonders die Rur-Eifel, verschlägt, dem sei Monschau ans Herz gelegt.
Vor langer, langer Zeit ließen sich Tuchmacher dort nieder, wo Flüsse mit weichem Wasser zu finden waren. So auch an der Rur (ohne h). Diesen Tuchmachern im 18. Jahrhundert ist die einzigartige Architektur rund um die Rur und damit auch in Monschau zu verdanken.

Filmkulisse

Das Rote Haus gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde 1765 fertiggestellt und diente den Nachfahren des Tuchmachers Scheibler als Wohnhaus, Kontor und Produktionsstätte. Heute ist es als Museum zu erkunden. Es ist allerdings bei weitem nicht das älteste Gebäude des Städtchens. Im gegenüberliegenden Café ist ein Türbogen mit einem Wappenstein zu entdecken, der die Zahl 1649 zeigt. Bei einem Besuch Monschaus sollten auf jeden Fall die Senfmühle und die Glashütte auf dem Programm stehen. Die Glashütte demonstriert als Handwerksbetrieb zu bestimmten Zeiten die Kunst des Glasblasens. Und es gibt jedes Jahr eine andere Sand-Skulpturen-Ausstellung zu unterschiedlichen Themen.
Die malerische Kulisse Monschaus ist auch in einigen Filmen zu finden, so in der Mini-Serie „Ferdinad von Schirach – Glauben“, der ARD-Reihe „Die Eifelpraxis“, „Freischwimmer“, „Im Winter, so schön“, „Brennendes Schweigen und etlichen anderen.

Kaffee-Schmuggel

Der Monschauer Ortsteil Mützenich machte nach dem Krieg als Kaffee-Schmuggel-Hochburg von sich reden. Als deutsche Exklave auf belgischem Staatsgebiet blühte hier der Kaffeeschmuggel. Bis 1953 wurden schätzungsweise 1000 Tonnen über die Grenze geschmuggelt. Dieser Zeit sollte später ein Denkmal gesetzt werden.

http://www.glashuettemonschau.com/html/vorfuhrungen.html

Erinnerung an die Schmuggel-Zeiten - Foto: U. Weyermann

Termine für Deutsche in Texas

16. Juli, 13 Uhr
Kaffeerunde Central
Herb & Ernie's
Copperas Cove

19. Juli, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

19. Juli, 13 Uhr
Stammtisch
Restaurant „Edelweiß“
Harker Heights

5. August, 18 Uhr
Abendrunde
Little Italy
Killeen

14. August, 13 Uhr
Liederkranz
Restaurant Brick Oven
Kempner

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