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22. Ausgabe
Sonn(en)tag
Ausgabe , 27. Juli 2025
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
ist Ihnen auch aufgefallen, dass diejenigen, die Toleranz predigen, nicht unbedingt selbst tolerant sind? In diesem Zusammenhang konnte ich mir einen Kommentar nicht verkneifen. Wie immer, als solcher gekennzeichnet und kursiv gedruckt. Lassen Sie mich gerne Ihre Meinung dazu wissen. Sie wissen ja, dass Leserbriefe gerne veröffentlicht werden.
Herzlichst
Ursula Weyermann
[email protected]
Jahrestag
27.Juli1953
Der Koreakrieg endet am 27. Juli 1953 nach 37 Monaten mit einem von den USA und der Sowjetunion initiierten Waffenstillstand, der die Teilung des Landes besiegelt. Eine etwa 250 Kilometer lange und vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone wird eingerichtet, die beide Landesteile bis heute trennt.
Rückblick: Nachdem Korea 1910 von Japan annektiert und in den folgenden Jahrzehnten als Kolonie ausgebeutet wurde, besetzten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die USA und die Sowjetunion das Land. Was als vorübergehende Lösung gedacht war, wird zum Dauerzustand. Die Sowjetunion unterstützt den kommunistischen Norden, die USA den Süden. Als am 25. Juni 1950 nordkoreanische Truppen die Demarkationslinie überschreiten, um eine Einheit des Landes auf militärischer Ebene herzustellen, werden sie von der Sowjetunion unterstützt. Wenige Tage später kommt es dann auch zum Militäreinsatz der USA, um Südkorea zu helfen. Der Koreakrieg hat begonnen.
Vier Millionen
Bis heute gibt es keine exakten Opferzahlen. Schätzungsweise sterben insgesamt 3,5 bis 4,5 Millionen Menschen – davon bis zu einer Million Südkoreaner und 2,5 Millionen Nordkoreaner (jeweils Soldaten und Zivilisten), etwa eine Million Chinesen sowie rund 40.500 Soldaten der UN-Nationen, die meisten von ihnen US-Amerikaner.
Die lange Reise der Mazankes

Unsere kleine Farm - Foto: Privat

Zuhause in Texas - Foto: Privat
„Es war in Ridgewood, einem Stadtteil von New York in einem deutschen Tanz-Lokal“, erinnert sich Wilfried Mazanke. Er sei etwas später dahin gekommen als seine Freunde, weil er noch mit seinem Zweit-Job beschäftigt war. Die Musik hat gerade eine Pause gemacht, da hat er sie gesehen und zu seinen vier Freunden gesagt: „Die werde ich gleich zum Tanzen auffordern.“ Die Freunde haben sich zu diesem Zeitpunkt bei dem Mädchen bereits einen Korb geholt und gehen bereitwillig mit Wilfried eine Wette ein. 20 Dollar ist der Einsatz eines jeden. Wilfried hat gewonnen. Denn die schöne Unbekannte hat mit ihm getanzt. Wie es zu den vier Körben und dem einen Tanz gekommen ist, erzählt sie jetzt mit einem Augenzwinkern: „Mein Onkel war kurz vorher mit 28 Jahren gestorben. Und meine Mutter hatte mir nur erlaubt in das Tanzlokal zu gehen, wenn ich nicht tanze.“ Sie hat aber die ganze Zeit mit dem Fuß gewippt und in der Pause hat ihre Freundin zu ihr gesagt, der Onkel würde auch nicht wieder lebendig, wenn sie nicht tanze. Und so hat sie gesagt, wenn der Nächste sie auffordere, würde sie tanzen.
Nicht volljährig
„Da hab' ich Glück gehabt“, blickt Wilfried Mazanke zurück. Sie hätten beide Glück gehabt, sind sie sich einig. Sie heißt Rosemarie und war damals, Anfang der 70er, noch nicht volljährig, als sie sich kennenlernten. Seit dem ersten Tanz haben sie sich immer wieder verabredet. Geheiratet haben sie vor 54 Jahren, weil Rosemarie mit 19 Jahren nicht volljährig und die Eltern sind nicht einverstanden gewesen, haben sie eine andere Stadt hierfür gewählt.
Rosemarie ist Amerikanerin und als Kind bei ihren deutschen Eltern in New York aufgewachsen. Wilfried wird 1939 in Schlesien geboren. Er ist sechs Jahre alt, als er mit der Mutter und den Geschwistern vor der Hungersnot in die ehemalige DDR geflohen ist. Die Schwester ist bei Tanten untergebracht, der Vater muss für die Russen Mähmaschinen fahren, und der kleine Wilfried ist mit dem Bruder zusammen bei der Mutter geblieben.
Auffanglager
Als er 1957 zur Volksarmee gehen soll, schmiedet er mit der Mutter zusammen Fluchtpläne. Jeder hat den Koffer des anderen unter seinem Sitz. Und als die Berliner Bahn an einer westlichen Haltestelle hält, steigen sie aus „und dann sind wir die Treppe hoch gerannt und haben dem lieben Gott gedankt“, blickt Wilfried Mazanke zurück. Zunächst haben sie in einem Auffanglager gewohnt. Seine nächsten Stationen sind Bundeswehr, Zürich und Weinheim. In Weinheim liest er im „Mannheimer Morgen“, dass in New York Einrichter für automatische Drehmaschinen gesucht werden. Er bewirbt sich und ist kurze Zeit später in New York, bekommt die Greencard und kann gerade mal zwei Wörter englisch sprechen. Und führt ein Junggesellenleben.
25 Schafe
Und was die beiden schließlich nach Texas gebracht? Rosemarie arbeitet für die Lufthansa im Stadtbüro von New York und wird sofort hellhörig, als Mitarbeiter für ein neues Büro in Dallas gesucht werden. So ziehen die Mazankes 1982 nach Texas. Später sollen sie Land in Fredericksburg kaufen und anfangen zu bauen. Als Training-Managerin und zuständig für die Arrangements mit Hotels, verbringt Rosemarie die letzten Jahre bei Lufthansa bis zur Rente.
Heute besitzen die beiden eine kleine Ranch, zu der sie täglich hinfahren. Dazu gehören 25 Schafe, ein Esel und ein kleines Haus mit Bed and Breakfast. „Langweilig wird es nicht“, lacht Wilfried Mazanke.

Seit 54 Jahren verheiratet - Foto: Privat
Handelsabkommen mit Japan
Nachdem Präsident Donald Trump ein Handelsabkommen mit Japan über 550 Milliarden Dollar bekannt gegeben und damit die Stimmung am Markt vor dem Stichtag der neuen Zölle verbessert hat, sind die Aktienkurse sprunghaft angestiegen. Der Dow Jones hat um 508 Punkte zugelegt, der S6P hat seinen zwölften Rekord-Schlusskurs des Jahres erreicht und der Nasdaq die 21.000-Marke überschritten. Ein Sprecher des Weißen Hauses bestätigte jetzt gegenüber Fox News, dass Japan im Rahmen dieses Abkommens 100 Flugzeuge der Marke Boing kaufen, seine Reiskäufe um 75 Prozent steigern, landwirtschaftliche und andere Produkte im Wert von acht Milliarden Dollar kaufen und seine Verteidigungsausgaben bei US-Unternehmen von 14 auf 17 Milliarden jährlich erhöhen werde.
Japan wird seinen Markt außerdem für mehr amerikanische Waren öffnen und im Gegenzug Zölle von 15 Prozent akzeptieren. Laut Angaben des Weißen Hauses werde der Deal in den US Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen.
Deutsche bei Alamo-Schlacht
Mindestens zwei deutsche Kämpfer, nämlich Henry Courtman und Henry Thomas, waren unter den Verteidigern des Alamo. Sie waren Teil der etwa 200 Soldaten, die bei der Verteidigung der Missionsstation gegen die mexikanischen Truppen kämpften. Die Schlacht von Alamo, die am 23. Februar 1836 begann und dreizehn Tage dauerte, ist ein bekanntes Symbol für den texanischen Freiheitskampf. Die Verteidiger wurden schließlich von den mexikanischen Truppen unter General Santa Anna getötet, nachdem die Festung im Sturm erobert worden war. Einige Zivilisten und Kinder kamen ebenfalls bei der Schlacht ums Leben. Obwohl die Schlacht von Alamo für die Texaner verloren ging, wurde sie zu einem wichtigen Wendepunkt im texanischen Unabhängigkeitskrieg, da der Ruf „Remember the Alamo“ die Texaner zu weiteren Kämpfen und letztendlich zum Sieg anfeuerte.
Henry Thomas (1811 in Deutschland geboren) und Henry Courtman (1808 in Deutschland geboren) reisten als Mitglieder der Kompanie der New Orleans Greys unter Kapitän Thomas Breece von New Orleans nach Texas und nahmen an der Belagerung von Bexar teil. Courtman blieb in Bexar und starb, genau wie Thomas, am 6. März 1836 in der Schlacht von Alamo. Sein Bruder, George F. Courtman, wurde beim Goliad-Massaker getötet.
Zur Erinnerung an die Toten des Alamo - Foto: U. Weyermann
Da taucht ein Hakenkreuz auf einem Stimmzettel im Landtag von Baden-Württemberg auf. Und wann immer irgendwo ein verfassungsfeindliches Symbol ins Spiel kommt, gerät automatisch die AfD ins Visier. Und ein rechtsradikaler Hintergrund wird vermutet. Die Maschinerie läuft: betroffen blickende Politiker, jede Menge Haltungsjournalisten und mindestens eine Demo gegen rechts. Diese Maschinerie lässt sich ganz schnell in Gang setzen. Dazu muss man noch nicht mal ein Rechter sein. Aber man kann damit alles, was rechts der Mitte ist, prima in Verruf bringen. Das hat sich vermutlich SPD-Landtagsvize Daniel Born gedacht und kritzelte kurzerhand das Symbol auf den Zettel. „Die zunehmende Gewöhnung an die AfD lässt mir keine ruhige Minute mehr“, sollte er später als Erklärung angeben. Mittlerweile ist er von von allen Ämtern zurück- und aus der Partei ausgetreten.
Versicherungsbetrug
Ein Blick nach Aachen: Ende Juni gibt es Hakenkreuze an den Wänden des indischen Restaurants „Maharaja“. Mit roter Farbe ist „Drecks Ausländer“ an die Wand geschmiert worden. Und dann wird auch noch ein Feuer gelegt. Aachen ist außer sich vor Empörung und sieht einen Angriff auf Vielfalt und Toleranz. Der Anschlag indes entpuppt sich als dreister Versicherungsbetrug. Die beiden Söhne des Restaurantbetreibers sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft, sie sollen die angeblich rassistische Attacke selbst inszeniert haben.
Das „Prinzip Reichtagsbrand“ scheint wieder zu funktionieren. Man zündelt und schiebt die Tat einem ungeliebten Gegner in die Schuhe und erreicht damit Hass auf diese Gruppe. Die Motive mögen unterschiedlich sein. Das Resultat ist das gleiche.
Empathie schmerzlich vermisst
Eine Definition vorausgeschickt, damit wir alle den selben Ausgangspunkt haben: Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, die Empfindungen, Emotionen, Gedanken und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Ein damit korrespondierender allgemeinsprachlicher Begriff ist Einfühlungsvermögen. Empathie ist das, was ich dieser Tage schmerzlich vermisse. In Russland ist ein Flugzeug abgestürzt. Vermutlich sind alle 50 Passagiere dieses Linienfluges gestorben. So hat es die Tagesschau auf Facebook gepostet. Die Kommentare sind stellenweise unterirdisch. Wie auch immer ich zum Krieg Ukraine-Russland stehen mag, aber wie kann ich mich freuen, wenn russische Menschen sterben? Zumal es sich um Zivilisten handelt. Wann hat der Russen-Hass wieder angefangen? Oder war der nie ganz weg? Die übelsten Sprüche kommen von Personen, die laut Profil tolerant, weltoffen und gegen Nazis sind. Russenhass ist sowas von Nazi, Sippenhaft ebenfalls!
Das ist jetzt in Deutschland geschehen. Aber in meiner zweiten Heimat, Texas, schlägt leider auch in bestimmten Kreisen die Empathielosigkeit um sich. So hatte sich doch tatsächlich eine Kinderärztin aus Houston hinreißen lassen, zu sagen, dass es mit der Flutkatastrophe im County Kerr die Richtigen getroffen habe. Sie vermutet hinter den Opfern Trump-Wähler, die jetzt das bekommen, was sie verdient haben. Mal abgesehen davon, dass kein Trump Wähler den Tod verdient ... die Kinder haben sowieso nicht gewählt, und sie sind aus allen möglichen Städten Texas zum Camp angereist. Wie kann man sich über den Tod von Menschen freuen, oder ihn zumindest billigend in Kauf nehmen, nur weil diese vermutlich eine andere politische Meinung haben, als man selbst?
Ausflugstipp: Waxahachie

Schöne alte Häuser - Bid/ai: J. Staud
Nur eine halbe Stunde südlich von Dallas liegt das charmante Städtchen Waxahachie – ein verstecktes Juwel voller Geschichte, Gastfreundschaft und eindrucksvoller Architektur. Der Name Waxahachie stammt von den Indianern und bedeutet „Büffelbach“ oder „Buffalo Creek“. Besonders bekannt ist Waxahachie für seinen jährlich stattfindenden Gingerbread Trail, ein Architekturfestival, das Besucher aus nah und fern anzieht.
Der Gingerbread Trail – benannt nach den filigranen Verzierungen, die an Lebkuchenhäuser erinnern – lädt dazu ein, prachtvolle viktorianische Häuser aus dem späten 19. Jahrhundert zu entdecken. Diese liebevoll erhaltenen oder restaurierten Gebäude bestechen durch kunstvolle Holzarbeiten, Türmchen, Erker und bemalte Glasfenster – ein Fest für Architektur- und Geschichtsliebhaber gleichermaßen.
Organisiert vom Ellis County Museum, bietet die Veranstaltung geführte Touren durch private Wohnhäuser, historische Kirchen und andere bedeutende Bauwerke der Stadt. Besucher haben die seltene Gelegenheit, einen Blick hinter die Fassaden dieser architektonischen Meisterwerke zu werfen und in die Geschichte Nordtexas einzutauchen.
Waxahachie bietet darüber hinaus einladende Cafés, lokale Kunsthandwerksläden und einen historischen Stadtkern, der zum Verweilen einlädt. Wer Südstaaten-Charme, Geschichte und beeindruckende Architektur liebt, sollte sich den Gingerbread Trail in Waxahachie nicht entgehen lassen.

Herzlich willkommen - Foto: J. Staud

Courthouse in Waxahachie - Foto: J. Staud
Termine für Deutsche in Texas
8. Juli, 17.30 Uhr
Abendessen
Restaurant Yang Sing
1705 E Central Express Highway
Killeen
10. Juli, 13 Uhr
Liederkranz
Restaurant Brick Oven
12093 US-190
Kempner
12. Juli, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)
16. Juli, 13 Uhr
Kaffeerunde Central
Herb & Ernie's
Copperas Cove
2. August, 13 Uhr
Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights
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