23. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , 3. August 2025

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

nach der letzten Ausgabe hat es noch sofort am Sonntag „Kündigungen“ gegeben, dass heißt Leser haben den Sonn(en)tag kommentarlos abbestellt. Ich vermute, es liegt an meinem Kommentar zur mangelnden Empathie, oder am Artikel über das Prinzip „Reichtagsbrand“. De facto werde ich das aber nie erfahren. Leider bestätigt das meine Vermutung in Sachen Toleranz. Niemand muss meiner Meinung sein. Sagen Sie mir die Ihre, gerne auch als Leserbrief. Ihnen einen schönen Sonntag, mit verdienter Ruhe oder lebhaften Diskussionen. Wie auch immer Sie wollen.

Herzlichst

Ursula Weyermann
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Jahrestag


3. August
Am 3. August 1492 stach der Italiener Christoph Kolumbus mit neunzig Mann auf dem Flaggschiff „Santa Maria“ in See. Zwei weitere Schiffe, die „Nina“ und die „Pinta“, begleiteten ihn. Sie segelten Richtung Westen. Drei lange Monate vergingen. Seine Männer wurden müde und krank und drohten, die Schiffe umzukehren. Kolumbus ermutigte sie, überzeugt, die Gewürzstraße im Osten zu finden. Am 11. Oktober um zehn Uhr abends sah Kolumbus ein Licht. Die „Pinta“ segelte weiter und meldete, dass das Licht tatsächlich Land sei. Am nächsten Morgen im Morgengrauen landeten sie.
 Christoph Kolumbus und seine Mannschaft hatten erwartet, Einheimische aus Indien zu treffen oder zu dem großen Führer Khan gebracht zu werden. Die ersten Menschen, denen sie begegneten, nannten sie „Indianer“. Sie waren in ihren besten Kleidern an Land gegangen, hatten niedergekniet und Gott für ihre sichere Ankunft gepriesen. Von den „Indianern“ erfuhren sie, dass die Insel Guanahani hieß. Kolumbus taufte sie San Salvador und beanspruchte sie sofort für Spanien. Als sie auf der Insel landeten, die heute Kuba ist, dachten sie, sie seien in Japan. Auch nach drei weiteren Reisen war Kolumbus immer noch ahnungslos. Er starb als reicher und berühmter Mann, doch er erfuhr nie, dass er Länder entdeckt hatte, von denen nur wenige geglaubt hatten, dass es sie dort gäbe.

San Salvador

Kolumbus hatte auf den heutigen Karibischen Inseln Halt gemacht: Watling Island, Grand Turk Island und Samana Cay. 1926 wurde Watling Island in San Salvador umbenannt und als erstes Land der Neuen Welt anerkannt. In letzter Zeit gibt es jedoch einige, die diese Behauptung anfechten. Drei Männer aus Miami, Florida, haben eine Bewegung ins Leben gerufen, die Conception Island als die Insel anerkennen will, die Kolumbus und seine Männer zuerst entdeckten und auf der sie landeten. Dieser Streit ist noch nicht
beigelegt.

Italienische Bevölkerung

Erst Hunderte von Jahren später wurde die Entdeckung des Kontinents feierlich gewürdigt. Der Kontinent wurde nicht einmal nach Kolumbus benannt, sondern nach dem italienischen Entdecker América Vespucci. 1792 fand in New York eine Zeremonie zu Ehren Kolumbus' statt, und ihm wurde ein Denkmal errichtet. Bald darauf wurde Washington offiziell zum District of Columbia ernannt und zur Hauptstadt der Vereinigten Staaten. 1892 wurde am Anfang der Columbus Avenue in New York City eine Kolumbus-Statue errichtet. Auf der Weltausstellung in Chicago im selben Jahr wurden Nachbildungen von Kolumbus' drei Schiffen ausgestellt. Die Amerikaner hätten vielleicht keinen Columbus Day, wenn Christoph Kolumbus nicht in Italien geboren worden wäre. Aus Stolz auf ihren Sohn organisierte die italienische Bevölkerung New Yorks am 12. Oktober 1866 die erste Feier zur Entdeckung Amerikas. Im darauffolgenden Jahr veranstalteten weitere italienische Organisationen in anderen Städten an diesem Tag Bankette, Paraden und Tänze. 1869, als die Italiener in San Francisco den 12. Oktober feierten, nannten sie ihn Columbus Day.

Wikinger

Colorado war 1905 der erste Bundesstaat, der einen Columbus Day beging. In den folgenden Jahrzehnten folgten weitere Bundesstaaten. 1937 erklärte der damalige Präsident Franklin Roosevelt jeden 12. Oktober zum Columbus Day. Seit 1971 wird er am zweiten Montag im Oktober gefeiert. Obwohl allgemein anerkannt ist, dass Christoph Kolumbus der erste Europäer war, der die Neue Welt Amerikas entdeckte, ist diese Behauptung noch immer umstritten. Einige Forscher und Vertreter anderer Entdecker führen die ersten Sichtungen auf die frühen skandinavischen Wikinger oder irische Missionare zurück, die vor Kolumbus‘ Besuch im Jahr 1492 unterwegs waren. Dieser Streit wird wohl nie zur Zufriedenheit aller geklärt werden können, doch 1992 jährte sich die Entdeckung durch Kolumbus zum 500. Mal.

Heike Mathis: Liebt Texas und Deutschland

Gerne mit Ehemann Eddie unterwegs - Foto: Privat

Jedes Jahr geht es einmal nach Deutschland. Nach Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart. Familie und Freunde besuchen und lecker essen. Die deutsche Küche vermisst Heike Mathis ja schon in Texas. So ein gutes Schnitzel, mit Spätzle und viel Soße, das hat schon was. So richtig schwäbisch eben.
Ihre erste Station in den Vereinigten Staaten ist Fort Polk in Louisiana gewesen. Dorthin hat sie ihren ersten Mann 1992 begleitet, der dort on duty gewesen ist. Die nächste Station sollte 1993 Fort Hood in Killeen werden. Und in der Gegend lebt sie heute noch. Mit Ehemann Eddie, Tochter Anna und Enkelin Ellie, Hund Millie und den Katzen Oscar und Nibbles lebt sie in Copperas Cove.
„Anna ist zweisprachig aufgewachsen, und Ellie wächst derzeit so auf. „Es ist mir wichtig, dass die deutsche Sprache nicht verloren geht“, sagt Heike. In Deutschland hat sie als Rechtsanwaltsgehilfin und Justizassistentin gearbeitet. In den USA hat sie sich zunächst zur Certified Nurse Assistent (CNA) ausbilden lassen. Von 1995 bis 2015 hat sie Teachers Aid gearbeitet und dann einen Bachelor und eine Alternativ Teacher Certification erlangt. „Ab dann habe ich als Deutschlehrerin an der Middle School und der Highschool unterrichtet“, erzählt sie ein wenig wehmütig. „Im Mai 2025 musste ich leider aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gehen.“ Aber an Langeweile ist nun wirklich nicht zu denken. Sie singt in einem deutschen Chor „Liederkranz” in Kempner und in einem Community Choir in Saledo. Sie trifft sich regelmäßig mit einer deutschen Stammtisch-Gruppe. Außerdem ist sie nach wie vor Mitglied in einer Lehrer Gemeinschaft, die Geld für soziale Zwecke sammelt und Bazare organisiert. Hier spricht sie das Gebet zur Eröffnung einer jeden Veranstaltung. Und dann gibt es da noch viele Reisen und Erkundungen mit ihrem Ehemann Eddie.

Oktoberfest

Im Dirndl fühlt sie sich wohl, auch wenn sie das erst in Amerika kennengelernt hat. „In unserer Gegend im Schwaben-Ländle war das nicht so üblich“, lacht sie. Und jetzt trägt sie das Dirndl zu Oktoberfesten, zum Fasching und zu Auftritten mit dem deutschen Chor. Am 20. September wird es ein Oktoberfest in Copperas Cove geben. Da ist sie in die Organisation mit eingebunden.
Sowohl in der alten, als auch in der neuen Heimat sieht sie Vor- und Nachteile. Beim letzten Deutschlandbesuch hat sie die Klimaanlage schmerzlich vermisst, „und meine 87jährige Mutter hat da sehr drunter gelitten“. Ein Plus für Deutschland: Die Freibäder! „Wunderschön angelegt mit Wiesen und Bäumen, da können sich die Amerikaner eine Scheibe von abschneiden.“

Behindertenfreundlich

Was sie in Deutschland mag, ist die Mülltrennung: „Meine Mutter hat fünf verschiedene Mülltonnen.“ Da würde hier leider überhaupt nicht drauf geachtet, bedauert sie. Aber Texas sei behindertenfreundlicher, ist sie sich sicher. „Hier gibt es überall Rollstuhlrampen.“ Und die großen Parkplätze in der neuen Heimat mag sie. „Ich hab mich in Deutschland wirklich erschrocken, wie eng die sind.“

Bei der letzten Abschlussfeier hat die Deutsch-Lehrerin mitgeholfen. - Foto: Privat

Seit Anfang 2019 offiziell ein Paar -Foto: Privat

Kerrville - Herring mitschuldig?


Dem Nachrichtensender KXAN aus Austin liegen Aufzeichnungen vor, die belegen, dass der Bürgermeister von Kerrville, Joe Herring, am 2. Juli eine eMail von der texanischen Katastrophenschutzbehörde erhalten hat. Darin ist er aufgefordert worden, am nächsten Tag an einem „Situation Awareness Call for Severve Weather“ teilzunehmen. Herring hat zuvor behauptet, nicht zu einem Anruf eingeladen zu worden sein.

Dem Sender KSAT aus San Antonio liegen Informationen vor, dass ein Notruf aus Kerrville für dienstfreie Feuerwehrleute erst am 4. Juli um 8.55 Uhr abgesetzt worden ist, also Stunden später, nachdem die Sturzfluten eine Katastrophe ausgelöst haben.
Weitere Informationen zeigen, dass Dalton Rice, City Manager von Kerrville, die Ministerin des US-Heimatschutzministeriums als „Heimat-Barbie“ tituliert hat. Jetzt hat er Wasserbeschränkungen der Stufe 4 eingeführt, nachdem durch Hochwasserschäden im städtischen Wiederaufbereitungswerk der Wasserversorgungsnotstand ausgerufen worden ist. In einer Erklärung teilt die Stadt mit, das keine Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität bestehen.

Leserbrief

Klaus Hartmann schreibt zum Kommentar „Empathie vermisst“ in der Ausgabe vom
27. Juli 2025:
„Das mit der mangelnden Empathie ist echt kaum mehr zum Aushalten. Alles nur noch Egoisten! Null Verständnis für andere! Hauptsache sie selber haben alles, was sie wollen – der Rest kann ja sehen, wo er bleibt! Geht mir nicht in den Kopf, wie man als Mensch eine solche Einstellung haben kann. Okay, ich bin vielleicht auch anders erzogen worden.“ 

Interviews auf Texasdeutsch

Texasdeutsch stammt von den frühen deutschsprachigen Siedler in Texas. Es ist eine Mischung aus den Dialekten der ursprünglichen Einwanderer, kombiniert mit Englisch und einem natürlichen Sprachwandel im Laufe der Zeit. Es ist kein einheitlicher Dialekt – es wird in verschiedenen Regionen von Texas unterschiedlich gesprochen.
Texasdeutsch wird von Menschen gesprochen, die in Texas deutschsprachig aufgewachsen sind (oder schon sehr früh Deutsch gelernt haben). Ihre Vorfahren kamen irgendwann zwischen 1830 und 1900 aus Deutschland nach Texas, und ihre Familien sind seitdem in Texas geblieben.

Antideutsche Stimmung durch Weltkriege

1907 gab es in Texas etwa 90.000 Menschen, die Texasdeutsch sprechen. Bis 1940 war diese Zahl auf etwa 160.000 gestiegen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es jedoch mehrere Gründe, warum die Menschen ihre Deutschkenntnisse nicht an ihre Kinder weitergaben. Der Erste und der Zweite Weltkrieg führten zu antideutschen Stimmungen, insbesondere in Gebieten, die nicht mehrheitlich von Deutschen bewohnt waren. Es wurden Gesetze erlassen, die die Verwendung von Fremdsprachen in Schulen verboten und ihre Verwendung in Zeitungen einschränkten. Der Bau von Autobahnen und verbesserten Straßen erleichterte Nichtdeutschsprachigen die Zuwanderung in deutschsprachige Gebiete und Deutschsprachigen den Wegzug von zu Hause. Einige Texasdeutschsprachige heirateten Nicht-Deutschsprachige und sprachen zu Hause mit ihren Kindern nur Englisch. Alle diese und weitere Faktoren führten zu einem starken Rückgang der Texasdeutschsprachigen, und in den 1960er Jahren gab es nur noch etwa 70.000 Texasdeutsche. Heute gibt es schätzungsweise nur noch etwa 5.000 Sprecher, von denen die große Mehrheit über 70 Jahre alt ist. Es wird erwartet, dass Texasdeutsch bis 2035 ausgestorben ist.

1000 Stunden

Das Texasdeutsche Dialektarchiv (TGDA) ist ein Online-Archiv mit Audioaufnahmen und Transkripten von Interviews mit Texasdeutschen. Sein Zweck ist: Aufzeichnungen und Materialien zur texanisch-deutschen Sprache, Kultur und Geschichte zu bewahren. Einen Überblick über Texasdeutsch zu schaffen, der für die Denkmalpflege genutzt werden kann. Das TGDA wird dieses Material mit lokalen Schulen, Denkmalschutzvereinen und Museen teilen, die sich für die Bewahrung des kulturellen Erbes durch Sprache einsetzen.
Es enthält aktuell über 1.000 Stunden Interviews mit über 700 Texasdeutschen aus 46 Ländern. Das Archiv enthält Aufnahmen von Texasdeutschen, die Geschichten aus ihrem Leben erzählen (auf Texasdeutsch, mit Transkriptionen und englischen Übersetzungen), sowie Übersetzungen englischer Wörter und Ausdrücke ins Texasdeutsche. Diese Aufnahmen sind anzuhören im Archiv auf www.tgdp.org


Potentielle Kandidaten der Demokraten für 2028 (1)

Mindestens ein Dutzend hochrangiger demokratischer Politiker hat eine mögliche Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2028 nicht ausgeschlossen, und je näher die Vorwahlen rücken, desto mehr Namen fallen. In Interviews und bei öffentlichen Auftritten haben es diverse Gouverneure, Senatoren und ehemalige Kabinettsmitglieder vermieden, „Nein“ zu sagen, als sie gefragt wurden, ob sie in Zukunft eine Kandidatur für das Weiße Haus planen. Die Demokratische Partei befindet sich seit der Niederlage der damaligen Vizepräsidentin Kamala Harris bei der Präsidentschaftswahl 2024 gegen Donald Trump in Aufruhr. Eine Reihe von Strategen, Analysten und Experten deuteten an, die Partei habe moderate Wähler vergrault, während andere behaupteten, sie sei nicht progressiv genug. Wer auch immer als nächster Parteivorsitzender hervorgeht, wird die Aufgabe übernehmen, diese Spaltungen zu überwinden und gleichzeitig die Partei zum Sieg zu führen. Traditionell geben Kandidaten ihre Präsidentschaftskandidatur erst nach den Zwischenwahlen im November 2026 bekannt. Ob diese Abgeordneten ihre Absicht, für das Weiße Haus zu kandidieren, offiziell erklären, wird sich erst dann zeigen. In den nächsten Ausgaben des Sonn(en)tags sollen die „Eventuellen“ kurz vorgestellt werden.

Andy Beshear, Gouverneur von Kentucky
Beshear, ein Demokrat, der in einem traditionell republikanischen Bundesstaat große Erfolge als Regierungschef erzielt hat, sagte gegenüber NBC News, er werde möglicherweise eine Präsidentschaftskandidatur in Erwägung ziehen.
Vor ein paar Jahren hätte ich das nie in Erwägung gezogen, aber ich werde weder meinen noch anderen Kindern ein kaputtes Land hinterlassen“, sagte er. „Wenn ich also glaube, dass ich das Land heilen kann, dann werde ich es mir ansehen.“ Und gegenüber „Vanity Fair“ ließ er verlauten: „Vor zwei Jahren hätte ich [eine Präsidentschaftskandidatur] nicht in Erwägung gezogen … aber wenn ich jemand bin, der das Land vielleicht heilen und wieder zusammenführen kann, werde ich im nächsten Jahr darüber nachdenken.“

Kandidatur nicht ausgeschlossen - Foto: DHSgov

Termine für Deutsche in Texas

5. August, 18 Uhr
Abendrunde
Pignetti's
Temple

9. August, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

14. August, 13 Uhr
Liederkranz
Restaurant Brick Oven
Kempner

20. August, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb und Ernie's
Copperas Cove

19. und 20. September
Annual Conference
German Texan Heritage Society
507 E 10th St.
Austin

20. September, 16 Uhr
Oktoberfest
Downtown
Copparas Cove

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