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24. Ausgabe
Sonn(en)tag
Ausgabe , 10. August 2025
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe werden Sie vergeblich nach dem Porträt der Woche suchen. Das hat mehrere Gründe. Da hat es eine Absage auf den allerletzten Drücker gegeben, und weil ich unterwegs bin, habe ich keine Zeit für eine aufwändige Ersatzsuche. Da gibt es aber auch die Demokraten-Flucht in Texas, der ich mich habe annähern wollen. Auch zu diesem Thema bitte ich wieder um Ihre Meinung.
Und was das Porträt der Woche betrifft, melden Sie sich doch einfach, wenn Sie Lust haben, dabei zu sein. Die nächsten beiden Ausgaben sind da übrigens gesichert.
Herzlichst
Ursula Weyermann
[email protected]
Jahrestag
10. August 1989
Am 10. August 1989 landet die Boeing 737-300 des Lufthansa-Fluges LH6010 am Leipziger Flughafen. Der Flug markiert den Beginn der ersten regelmäßigen deutsch-deutschen Fluglinie seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Es verkehren von nun an jeden Montag und Donnerstag Lufthansa-Flüge von Frankfurt am Main nach Leipzig. Im Gegenzug fliegt die DDR-Fluggesellschaft Interflug zweimal die Woche von Leipzig nach Düsseldorf. Ganz ohne Umwege kommen die Lufthansa-Maschinen jedoch nicht in der Messestadt an: Die Boeings müssen über die Tschechoslowakei fliegen. Passagierflugzeuge dürfen die deutsch-deutsche Grenze aufgrund alliierter Vorbehaltsrechte zunächst noch nicht überfliegen. Die Flugstrecke beträgt deshalb 700 und nicht 310 Kilometer. Ab dem 10. März 1990 entfällt auch diese Hürde und es konnten tatsächliche Direktflüge zwischen beiden deutschen Staaten stattfinden.
Abgeordnete auf der Flucht
Was ist da los in Texas? Anfang August 2025 haben mehr als 50 Abgeordnete der Demokraten des texanischen Repräsentantenhaus den Bundesstaat verlassen, um ein Quorum zu verhindern und damit Abstimmungen über eine von den Republikanern unterstützte Neuaufteilung der Wahlkreise (Redistricting) und um weitere Gesetzesvorhaben zu verzögern. Als Reaktion darauf haben die texanischen Republikaner tägliche Geldstrafen verhängt, Direktüberweisungen der Gehälter ausgesetzt und rechtliche Schritte eingeleitet, darunter eine Klage von Generalstaatsanwalt Ken Paxton zur Absetzung von 13 abwesenden Mitgliedern. Gouverneur Greg Abbott hat erklärt, er werde so lange Sondersitzungen einberufen, bis der Neuaufteilungsplan verabschiedet ist.
FBI und PAC
Auf Bitte von Senator John Cornyn hat jetzt das FBI zugesagt, bei der Suche nach den abwesenden Abgeordneten zu helfen. Derweil hat Paxton auch eine Untersuchung gegen das von George Soros finanzierte und vom ehemaligen Gouverneur-Kandidaten Beto O'Rourke unterstützte „Political Action Committee“ PAC eingeleitet, das über ein Vermögen von rund 600.000 US-Dollar verfügt, und - so auf Paxtons offizieller Seite zu lesen - eine koordinierende Rolle bei der Unterstützung illegaler Spendensammlungen und möglicherweise der Bestechung von Mitgliedern des texanischen Repräsentantenhauses gespielt hat. Mittlerweile ist eine diesbezügliche Klage rausgegangen.
Unterdessen haben führende Demokraten anderer Bundesstaaten, darunter Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom und die ehemalige Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, ihre Unterstützung für die texanischen Demokraten zugesagt und den Konflikt in den Kontext eines breiteren nationalen politischen Streits gestellt.
In Verfassung verankert
Was steckt hinter der Aktion und welche Auswirkungen hat sie? Eine Neuaufteilung der Wahlkreise würde den Republikanern vermutlich fünf zusätzliche Sitze im US-Repräsentantenhaus sichern. Wobei Redistricting nichts Ungewöhnliches ist. Die Neuaufteilung der Wahlbezirke erfolgt für das Repräsentantenhaus der USA und die Parlamente der Bundesstaaten nach jeder – alle zehn Jahre stattfindenden – Volkszählung. So in Artikel 1 der Verfassung verankert. Die Aufteilung ist Abhängig von der Zahl der Einwohner. Diesbezüglich gibt es auch Unstimmigkeiten. Die Trump-Administration zählt dazu keine Illegal Aliens, wohl aber permanent Residents wie Greecard-Holder.
Anti-Abtreibung
Neben dem Quorum zur Neugliederung stehen aber auch noch Gesetzesvorhaben zur Abstimmung. Einer Abstimmung, die durch den Mangel an anwesenden Abgeordneten nicht stattfinden kann. Es geht um die Regulierung von THC-Produkten, also einem Gesetz zur Einschränkung von Hanf-Produkten; ein Anti-Abtreibungsgesetz, welches Privatpersonen ermöglicht, Behandlungsanbieter bezogen auf Abtreibungspillen zu verklagen und die „Bathroom Bill“, ein Gesetz, das Trans-Personen untersagt, öffentliche Toiletten ihrer Identität entsprechend zu besuchen.
Darüber kann man ja durchaus geteilter Meinung sein, ob man deswegen eine Abstimmung durch Flucht verhindern muss, sei mal dahin gestellt. Aber wirklich bitter ist, dass über Frühwarnsysteme bei Hochwasser und eine finanzielle Unterstützung der vom tödlichen Hochwasser betroffenen Regionen abgestimmt werden soll. Und wenn diese Abstimmung nicht stattfinden kann, warten Menschen, die schlimme Verluste erleben mussten, (wieder) vergeblich auf Hilfe.

Demokraten auf der Flucht - Bild/ai: J. Staud
Höchstes Gebäude in Texas
Der 74-stöckige Waterline Tower in Austin ist jetzt offiziell das höchste Gebäude in Texas. Am Wochenende ist der letzte Träger des 315 Meter hohen Gebäudes installiert worden. Damit hat der Wolkenkratzer dem JPMorgan Chase Tower in Houston den Rang abgelaufen. Dieser ist seit 1981 das höchste Gebäude des Staates gewesen.
Von Lincoln Property Co und Kairoi Residental entwickelt, umfasst das Projekt 352 Luxus-Wohnungen, 65.000 Quadratmeter Bürofläche, ein Hotel mit 252 Zimmern und eine 2.200 Quadratmeter umfassende Fläche für Einzelhandel und Restaurants. Es ist umgeben von Parks und Wanderwegen rund um den Lady-Bird-Lake.
Deutschland: Der Fall Ballweg
Inwieweit politisch motivierte Entscheidungen Einfluss auf die Justiz in Deutschland haben, zeigt sich jetzt am Fall von Michael Ballweg, Gründer der Querdenker-711-Bewegung. Nach 279 Tagen Untersuchungshaft und 44 Verhandlungstagen im Landgericht Stuttgart ist Ballweg vom Hauptvorwurf „versuchter Betrug“ freigesprochen worden. Es bleibt eine Verwarnung wegen 19,53 Euro, die in seiner Steuererklärung falsch deklariert worden sind. Das Strafmaß für die Verwarnung beträgt 30 Tagessätze zu 100 Euro und ist zur Bewährung ausgesetzt.
Vom Hauptvorwurf des versuchten Betrugs ist nach 43 Verhandlungstagen wirklich gar nichts mehr übrig geblieben. Der Betrugsvorwurf betraf Spendengelder für die Querdenker-711-Bewegung. Setzt man die hier monierte „Steuerhinterziehung“ von noch nicht einmal 20 Euro in Bezug zur 28,5 Millionen Steuerhinterziehung von Ulli Hoeneß, die diesem anderthalb Jahre Gefängnis, größtenteils als Freigänger, bescherte, so bleibt ein Geschmäckle und die Frage: Sollte hier eine unbequemer Denker und Impf-Kritiker mürbe gemacht werden?
„Was für ein Burger!“
Vor fünfundsiebzig Jahren wurde in Corpus Christi ein Burger-Stand eröffnet, mit dem eine texanische Ikone ins Leben gerufen wurde. Harmon Dobson, ein Veteran des Zweiten Weltkriegs, ohne jedwede vorherige Restauranterfahrung, suchte nach einer Geschäftsinvestition. Texaner eben, war seine Vision, einen so großen Burger zu kreieren, dass er bei denen, die ihn sahen, einen ungläubigen Schrei hervorrufen würde: „Was für ein Burger!“
25 Cent
Am 8. August 1950 wurde der erste Whataburger in 2609 Ayers St. eröffnet. An diesem Tag verkaufte der Stand Burger, Chips und Getränke im Wert von 50 Dollar, wobei ein Hamburger 25 Cent kostete. (Der Preis stieg nach 1951 auf 35 Cent.) Mit einem Durchmesser von fünf Zoll waren Dobsons Burger so viel größer als die zweieinhalb-Zoll-Slider anderer Restaurants, dass Bäckereien Brötchen nicht groß genug herstellten, um sie zu halten. Dobson musste eigene Brötchen backen lassen.
Jetzt wurde die Erfolgsgeschichte mit einem 75-Cent-Burger gefeiert. Am Geburtstag des Whataburgers, konnte selbiger für 75 Cent über eine App gekauft werden.

Geburtstagskind Whataburger - Bild/ai: J. Staud
Ausflugstipp: Washington am Brazos
Washington gibt es auch in Texas. Am Fluss Brazos gelegen, hat dieses Städtchen eine besondere Bedeutung im Lone Star State. Die Generalversammlung, die über das Schicksal von Texas entscheiden sollte, tagte im März 1836 in Washington. Die Washington-on-the-Brazos State Historic Site ist als Ort der Unterzeichnung der texanischen Unabhängigkeitserklärung am 2. März 1836 in Erinnerung. Trotz großer persönlicher Risiken tagten die Delegierten danach weiter, bis sie eine Verfassung ausgearbeitet und die erste dauerhafte Regierung der neuen Nation gebildet hatten. Die malerische Washington-on-the-Brazos State Historic Site liegt am Brazos River. Das weitläufige Gelände bietet eine wunderschöne Kulisse für Picknicks, Besichtigungen und Vogelbeobachtungen. Das Star of the Republic Museum, die Independence Hall und die Barrington Living History Farm bieten Besuchern einzigartige Einblicke in das Leben der Menschen, die die Republik Texas gründeten.
Besonders empfehlenswert ist das texanische Washington auch zur Bluebonnet-Blüte.

Hier wurde Geschichte geschrieben - Foto: J. Staud
Termine für Deutsche in Texas
14. August, 13 Uhr
Liederkranz
Restaurant Brick Oven
Kempner
16. August, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)
20. August, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb und Ernie's
Copperas Cove
23. August, 16.30 Uhr
DFW-Kaffeeklatsch
303 S Elm Street
Keller
19. und 20. September
Annual Conference
German Texan Heritage Society
507 E 10th St.
Austin
20. September, 16 Uhr
Oktoberfest
Downtown
Copparas Cove
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