25. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , 17. August 2025

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

im heutigen „Jahrestag“ lesen Sie über die Auswirkungen des Faschismus’ in Deutschland. Nein, ich meine nicht den rechten Faschismus zur Nazi-Zeit. Ich meine den linken Faschismus in der ehemaligen DDR. Dem Faschismus ist es egal, ob er ein braunes oder rotes Gewand trägt. Die Auswirkungen sind immer die gleichen. Die Anfänge ebenso. Es fängt immer mit Ausgrenzung an, mit „wir“ gegen „die“. Die Meinungsfreiheit weicht einem „höheren Zweck“. Bitte bleiben Sie wachsam.

Herzlichst

Ursula Weyermann
[email protected] 

Jahrestag

17. August 1962
Er ist erst 18 Jahre alt, als er am 17. August 1962 beim Versuch, die Berliner Mauer zu überwinden, von Grenzsoldaten der DDR erschossen wird. Mit seinem Freund Helmut K. hat Peter Fechter den Plan geschmiedet, in den Westen zu fliehen. Seiner Familie erzählt er nichts von diesem Vorhaben. Von einem Haus in der Zimmerstraße wollen die beiden in den 25 Meter entfernten Westen laufen. Peters Kumpel Helmut schafft es in den Westen und wird von der Polizei fortgeführt. Peter Fechter selbst liegt schwerverletzt im Todesstreifen, nachdem vier Grenzsoldaten auf ihn geschossen haben. Er bekommt keine Hilfe und liegt eine Dreiviertelstunde mit offenen Bauchwunden am Boden. DDR-Grenzer tragen Fechter schließlich in eine Nebenstraße, wo er seinen Verletzungen erliegt. Die Szenerie wird vom zufällig anwesenden Herbert Ernst gefilmt, der durch die Schussgeräusche auf das Geschehen aufmerksam wird. Zum ersten Mal filmt ein Kameramann den Tod an der Mauer. Die Aufnahmen gehen um die Welt und zeigen die Brutalität des Schießbefehls.

Karl-Eduard von Schnitzler

Wie aus Grenztruppen-Akten hervorgeht, sind die beiden Flüchtlinge ohne Vorwarnung von beiden Seiten beschossen worden. Vier Grenzposten geben insgesamt 35 Schüsse ab. Peter Fechter sei beim Anspringen an die Mauer getroffen worden, zurück gerutscht und habe sich dann hinter die Mauerverstärkung gestellt. Demnach hat er seinen Fluchtversuch zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben. Doch statt den wehrlosen Jugendlichen festzunehmen, schießen die Grenzposten solange, bis er zusammenbricht. Als er um Hilfe ruft, gehen sie in Deckung, angeblich, weil sie sich von West-Berliner Polizeibeamten, die mittlerweile auf der anderen Seite der Mauer ihre Gewehre auf sie richten, bedroht fühlen. Später werden Fehler eingeräumt und Forderungen laut, wonach „in solchen Fällen Möglichkeiten geschaffen werden müssten, Verletzte schnell aus dem mittelbaren Grenzgebiet zu entfernen, auch unter dem Gesichtspunkt, dem Gegner damit keine Argumente für seine Hetze zu liefern“. Offizielle DDR-Berichte schreiben die Sichtweise fort, wonach West-Berliner Polizisten, Fotografen und Kameraleute durch ihr Verhalten die Bergung des schwer verletzten Flüchtlings verzögert hätten. Diese Rechtfertigungsversuche gipfeln im Kommentar des Chef-Propagandisten Karl-Eduard von Schnitzler, der das rücksichtslose Vorgehen der Grenzposten zur Staatsräson erhebt und das Opfer mit folgenden Worten herabwürdigt: „Und wenn dann solch ein Element […] unmittelbar an der Grenze verwundet und nicht sofort geborgen wird – dann ist das Geschrei groß. […] Das Leben eines jeden einzelnen unserer tapferen Jungen in Uniform ist uns mehr wert als das Leben eines Gesetzesbrechers. Soll man von unserer Staatsgrenze wegbleiben – dann kann man sich Blut, Tränen und Geschrei sparen.“

Strafantrag der Schwestern

So im „Schwarzen Kanal“ zu hören, zur gleichen Zeit, als die Familie Fechter ihren Sohn und Bruder auf dem Friedhof der Auferstehungsgemeinde in Berlin-Weißensee beerdigt.
Im Juli 1990 stellen die Schwestern von Peter Fechter Strafanzeige und bringen damit die Ermittlungen in Gang, die schließlich zur Verurteilung von zwei Schützen führen. Des Totschlags schuldig gesprochen, erhalten sie Freiheitsstrafen von 20 und 21 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden.

Manuela macht in Mode

Manuela Mayer-Strunz mit Ehemann Joe und Tochter Jenna - Foto: Privat

Manuela Mayer-Strunz lebt seit 1998 in Copperas Cove in Texas. Und wer vermutet, dass es die Liebe gewesen ist, die sie nach dort „verschleppt“ hat, liegt richtig. In Bad Soden/Salmünster aufgewachsen, hat sie 1987 Joe Strunz kennengelernt, der zu dieser Zeit in Büdingen stationiert gewesen ist. Der spricht auch ganz passabel Deutsch und so wird bis zum Umzug in die Staaten 1998 zuhause vorwiegend Deutsch gesprochen. Der deutsche Name Strunz stammt übrigens von Joes Stiefvater. Joes Mutter ist Deutsche und nach dem 2. Weltkrieg in die USA gekommen.

Boutique-Show

Manuela Mayer-Strunz hat sich schon immer für Mode interessiert und dafür auch nach eigenen Worten „so manchen Pay Cheque gelassen“, aber bis die Mode zum Beruf geworden ist, nämlich zu „Manuela's Sassy Closet“, sollte es noch eine Weile dauern.
In Deutschland hat sie auf einer Bank gearbeitet. In den Staaten angekommen, wird erst einmal ein Haus gebaut. Und Manuela Mayer-Strunz ist zunächst mit Einrichten beschäftigt. „Ab 2000 hab ich dann erst einmal halbe Tage bei einer Bank gearbeitet“, blickt sie zurück. Da ihr Ehemann 2001 vom Militär retired, weil er nicht von Fort Hood versetzt werden möchte, wechselt sie auf Vollzeit. „Es war ja nicht klar, wie schnell er einen zivilen Job finden würde.“ Er findet zwar schnell einen Job, aber es bleibt bei ihrer Vollzeitbeschäftigung. Solange, bis Tochter Jenna in 2007 geboren wird. Zu deren Schulzeit arbeitet die jetzt 57-Jährige wieder halbtags und besucht 2017 gemeinsam mit einer Freundin eine Boutique-Show. „Das könnten wir doch auch machen. Nach der Arbeit, online ...“, begeistert sie sich selbst und auch die Freundin. Und los geht’s. Die Kleidung kommt aus Kalifornien. Das Label nennt sich „LuLaRoe“ und ist nur über selbstständig agierende Mode-Experten wie Manuela Mayer-Strunz zu kaufen. „Das ist das gleiche Prinzip wie bei Mary Kay“, erklärt sie und schätzt, dass US-weit mehr als 500 Dealer für dieses Mode-Unternehmen unterwegs sind. Irgendwann steigt die Freundin aus und Manuela mehr ein. Der Dining-Room wird zur Boutique und der Job gekündigt. Joe Strunz unterstützt seine Frau und baut ihr eine Garten-Laube in eine Boutique um. Von hier aus gibt es auch Live-Übertragungen. Und manchmal ist Manuela Mayer-Strunz auch auch auf Events in Copperas Cove zu finden, wie dem Rabbit-Fest im Mai oder dem Christkindlmarkt Anfang Dezember.

Beide Staatsbürgerschaften

„Vor Covid bin ich das letzte Mal in Deutschland gewesen“, erzählt sie. Auch wenn sie den Bruder, enge Freunde und das Essen vermisst, haben die Deutschlandbesuche nach dem Tod der Eltern nachgelassen. Der Bruder besucht sie manchmal in Texas und erzählt, dass Deutschland sich zum Nachteil verändert habe. Sie kann sich nicht mehr vorstellen in Deutschland zu leben. Aber die amerikanische Staatsbürgerschaft hat sie erst angenommen, seitdem sie ohne weiteres die deutsche behalten. „Die deutsche Staatsbürgerschaft könnte ich nicht abgeben, dafür hängt mein Herz zu sehr an Deutschland. Dem Deutschland, wie es früher einmal war.“

„Manuela`s Sassy Closet“ ist auf Facebook zu finden
„LuLaRoeSassy with Manuela“ ist eine FB-Gruppe
(254)220-1429
[email protected] 

Vom Ehemann zum Shop ausgebaut - Foto: privat

Manchmal auch auf Märkten zu finden, wie hier beim Rabbit-Fest - Foto: Privat

Klage aus Odessa

Die Familie des Hochwasseropfers Jayda Floyd (22) aus Odessa hat die erste Klage im Zusammenhang mit den Sturzfluten des vergangenen Monats eingereicht. Floyd und ihr Verlobter, der 23-jährige Polizeibeamte Bailey Martin aus Odessa, kamen während ihres Aufenthalts im HTR TX Hill Country Resort am Guadalupe River in Kerrville ums Leben. Die Familie fordert von den Eigentümern und Investoren , dem Betreiber und dem Geschäftsführer des Campingplatzes finanzielle Entschädigung in Höhe von einer Million Dollar. In der Klage wird behauptet, die Beklagten seien sich der Gefahr von Sturzfluten bewusst gewesen, hätten sich jedoch nicht ausreichend darauf vorbereitet und den Betrieb des Ressorts fortgesetzt, ohne die Gäste vor der Gefahr zu warnen.

Fehlverhalten bestritten

Floyd, eine Jugendbewährungshelferin aus Ector County, die einen Master-Abschluss in Psychologie anstrebte, half Martins Geschwistern Berichten zufolge, auf das Dach des Wohnmobils zu klettern, als das Hochwasser stieg, und rettete ihnen so das Leben. Das Resort drückte sein Mitgefühl für den Verlust der Familie aus, bestreitet jedoch jedwedes Fehlverhalten und verweist auf die beispiellose Schwere der Überschwemmung.

Viel Peace und Love und noch mehr Drogen

Den „Jahrestag“ hat es knapp verfehlt. Aber eine Erwähnung wert ist es allemal, zumal auch eine Tochter Texas' eine Rolle dabei gespielt hat und auch heute auf den Tag genau vor 56 Jahren mächtig in die Saiten und auf die Drums gehauen worden ist. Die Rede ist von Woodstock, dem Festival schlechthin. Es beginnt planmäßig am 15. August 1969, endete jedoch verspätet am Montagmorgen des 18. Augusts. Als Austragungsort dienen Weidefelder des Milchbauern Max Yasgur in White Lake nahe der Kleinstadt Bethel im US-Bundesstaat New York, etwa 70 Kilometer südwestlich vom namensgebenden und ursprünglich angedachten Veranstaltungsort in Woodstock.

Mythos vom anderen Amerika

Vor 400.000 Besuchern treten 32 Bands und Solokünstler der Musikrichtungen Folk, Rock, Psychedelic Rock, Blues und Country auf. Die erwarteten Zuschauerzahlen werden um mehr als das Doppelte übertroffen. Unzählige potenzielle Zuschauer mit oder ohne Vorverkaufsticket bleiben in Verkehrsstaus rund um das Festivalgelände stecken. Während der Veranstaltung herrschen aufgrund von schweren Regengüssen und organisatorischen Missstände teils katastrophale Zustände, die durch den Einsatz der National Guard aus New York zum Teil behoben werden können. Trotz dieser Umstände wird Woodstock für seine friedliche Stimmung bekannt. Zahlreiche Musiker, Mitarbeiter und Besucher verbringen die Festivaltage unter dem Einfluss diverser Drogen. Obwohl von kommerziellen Interessen der Veranstalter, Bandmanager und vieler Musiker geleitet, verkörpert das Festival den Mythos eines friedliebenden, künstlerischen und „anderen“ Amerikas. Im Gegensatz dazu befindet sich ein gespaltenes Amerika im Vietnamkrieg, ist schockiert über die politischen Morde an John F. Kennedy, Malcolm X, Martin Luther King und Robert F. Kennedy.
 Die Tochter Texas', die an diesem Festival teilnimmt, ist Janis Joplin. Bei ihrem Auftritt mit der Kozmic Blues Band Band ist sie stark alkoholisiert, wirkt aufgeschwemmt und ihre Stimme bricht oft. Ihre Plattenfirma verweigert aus diesem Grund anfänglich die Erlaubnis, diesen Auftritt filmisch in der Dokumentation „Woodstock“ zu zeigen. Allerdings macht sie eine Bemerkung über die Hippie-Bewegung, die später oft zitiert wird: „Früher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns.“ Die Aufnahmen des Woodstockauftritts werden teilweise erst posthum veröffentlicht. Sie selbst soll knapp anderthalb Jahre später mit 27 Jahren an einer Überdosis Heroin sterben.

Legendäres Festival vor langer Zeit - Bild/ai: J. Staud

Home Rule Act und Auswirkungen

Präsident Donald Trump hat jetzt die Polizei von Washington D.C. unter direkte Kontrolle der Regierung gestellt und 800 Soldaten der National Guard zu einem umfassenden Vorgehen gegen die Kriminalität entsendet. Dabei hat Trump auf die zunehmende Gewalt und Obdachlosigkeit verwiesen und sich auf Abschnitt 740 des Home Rule Act von Washington D.C. Berufen, der die Kontrolle über die Polizeikräfte der Stadt regelt. Terry Cole, Chef der Drug Enforcement Administration übernimmt unter Generalstaatsanwältin Pam Bondi vorübergehend das Kommando. Bürgermeisterin Muriel Bowser empfindet das Vorgehen Trumps als „beunruhigend und beispiellos,“ wie sie sich gegenüber der Zeitung „The Hill“ geäußert hat. Sie weist darauf hin, dass die Qualitätsrate vor Ort bereits rückläufig ist, sagt aber zu, dass die Stadt sich fügen wird. Die Polizeigewerkschaft von Washington D.C. unterstützt Trumps Entscheidung.
New York, Chicago und Los Angeles müssten mit ähnlichen Interventionen rechnen, kündigte der Präsident jetzt an.
In der ersten Nacht der Operationen habe es bereits 23 Festnahmen gegeben und Dutzende Obdachlosenlager seien geräumt worden, teilt das Weiße Haus mit. Weitere Festnahmen sind mittlerweile erfolgt. Währenddessen finden in New York und knapp 300 weiteren Städten Proteste gegen das Vorgehen der Trump-Administration statt.

Ausflugstipp: Nacogdoches

Das Jones-Haus ist einen Besuch wert - Foto: U. Weyermann

Der Meister und sein Werk - Foto: U. Weyermann

Nacogdoches in Texas ist ein nettes kleines Städtchen direkt an der Grenze zu Louisiana. Besonders ist, unter anderem, dass zwei Deutsche, unabhängig voneinander, eine Rolle für diesen schönen Ort am See spielten. Nicholas Adolphus Sterne (5. April 1801 – 27. März 1852) saß drei Legislaturperioden im Repräsentantenhaus von Texas und eine im Senat des Staates Texas. Der gebürtige Kölner wanderte 1817 aus Deutschland in die Vereinigten Staaten aus und lebte zehn Jahre in Louisiana. 1826 zog er nach Nacogdoches, wo er einen Handelsladen betrieb und Waffen für die Kolonisten schmuggelte, die gegen Mexiko rebellieren wollten. Seine Stellung als Freimaurer bewahrte ihn vor der Todesstrafe, und Sterne finanzierte anschließend zwei Kompanien, die als „New Orleans Greys“ bekannt waren, um sie bei den Kämpfen im texanischen Unabhängigkeitskrieg zu unterstützen. Eine Tochter Sternes, Eugenia, sollte eine enge Freundin Sam Houstons werden.

Meisterarchitekt

Diedrich Anton Wilhelm Rulfs (6. März 1848 – 14. Februar 1926) war ein deutsch-amerikanischer Architekt in Nacogdoches, und wird aufgrund seiner Arbeit in der Stadt zwischen 1879 und 1926 als Nacogdoches‘ Meisterarchitekt bezeichnet. Rulfs wurde in Oldenburg geboren. Mehrere seiner Werke sind im National Register of Historic Places aufgeführt. Zu den Werken gehören das Eugene H. Blount House, erbaut 1923, 1801 North St., Nacogdoches, das Stephen William und Mary Price Blount House, erbaut 1897, 310 N. Mound St., Nacogdoches, das Old Cotton Exchange Building, 305 E. Commerce St., Nacogdoches, das
Maria A. Davidson Apartments, 214 S. Fredonia St., Nacogdoches und das Roland Jones House, 141 N. Church St., Nacogdoches. In letzterem befindet sich heute ein Restaurant und eine Pension.

Adophus Sterne aus Köln - Foto: U. Weyermann

Termine für Deutsche in Texas

20. August, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb und Ernie's
Copperas Cove

23. August, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

23. August, 15.30 Uhr
DWF-Kaffeeklatsch
303 Elm Street
Keller

2. September, 18 Uhr
Abendrunde
Backporch Drafthouse
Killeen

19. und 20. September
Annual Conference
German Texan Heritage Society
507 E 10th St.
Austin

20. September, 16 Uhr
Oktoberfest
Downtown
Copparas Cove

(oben klicken oder unten scannen)