27. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , 31. August 2025

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

heute sei Ihnen Waco ans Herz gelegt, nicht nur als Ausflugstipp, sondern auch mit Dr. Cindy Jones im Porträt. Wenn Ihnen die Porträts des Sonn(en)tags gefallen, dann melden Sie sich doch gerne als Kandidat oder Kandidatin. Bis dato sind die Männer in der Minderheit. Wäre es jetzt antifeministisch, wenn ich schreiben würde, dass ich mir ganz besonders Männer wünschen würde? Okay, ein bisschen viel Konjunktiv, ansonsten aber nicht schlimm, oder?

Herzlichst

Ursula Weyermann
[email protected] 

Jahrestag

31. August 1997
Kurz nach Mitternacht am 31. August 1997 stirbt Diana, Prinzessin von Wales und „Königin der Herzen“ bei einem Autounfall in Paris. Sie wird nur 36 Jahre alt. Ihr Freund, der in Ägypten geborene Prominente Dodi Fayed, und der Fahrer des Wagens, Henri Paul, sterben ebenfalls.

Neun Meter Blumen

Prinzessin Diana ist eine der beliebtesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens weltweit. Ihr Tod löst eine Welle der Trauer aus. Trauernde suchen umgehend den Kensington Palace auf und legen Blumensträuße vor dem Haus nieder, in das die Prinzessin, auch bekannt als Lady Di, nie zurückkehren wird. Blumen, einzelne und gebundene Sträuße, reihen sich über neun Meter vom Palasttor aus aneinander.

Paparazzi

Diana und Dodi – die an der französischen Riviera Urlaub gemacht haben – sind am Vortag in Paris angekommen. Kurz nach Mitternacht verlassen sie das Hotel „Ritz“ in Paris, um zu Dodis Wohnung in der Rue Arsène Houssaye zu fahren. Kaum haben sie das Hotel verlassen, wird ihr Auto von einer Horde Paparazzi auf Motorrädern aggressiv verfolgt. Etwa drei Minuten später verliert der Fahrer die Kontrolle über sein Auto und prallt gegen einen Pfeiler am Eingang des Pont de l'Alma-Tunnels. Dodi und der Fahrer werden noch am Unfallort für tot erklärt. Diana wird ins Krankenhaus Pitié-Salpêtrière gebracht und um 6.00 Uhr für tot erklärt. Ein vierter Passagier, Dianas Leibwächter Trevor Rees-Jones, wird schwer verletzt, aber überlebt. Dianas Ex-Mann Prinz Charles sowie ihre Geschwister und weitere Mitglieder der königlichen Familie treffen am selben Morgen in Paris ein. Dianas Leichnam wird anschließend nach London überführt.

Goodbye England’s Rose

Wie ein Großteil ihres Lebens ist auch ihr Tod eine regelrechte Mediensensation und Gegenstand zahlreicher Verschwörungstheorien. Zunächst werden die Paparazzi, die das Auto verfolgten, für den Unfall verantwortlich gemacht, doch später stellte sich heraus, dass der Fahrer unter dem Einfluss von Alkohol und verschreibungspflichtigen Medikamenten gestanden hat. Eine offizielle Untersuchung ergibt, dass nicht die Paparazzi den Unfall verursacht haben. Also zumindest nicht juristisch. Dianas Beerdigung am 6. September in London wird von mehr als zwei Milliarden Menschen am Bildschirm verfolgt. Elton John schreibt seinen erfolgreichen Song „Candle in the Wind“ um und spielt ihn unter dem Zusatz-Titel „Goodbye England's Rose“ im Westminster Abbey. Sie hinterlässt zwei Söhne, den damals 15-jährigen Prinz William und den 12-jährigen Prinz Harry.

Mit deutschem Herzen in die Ferne

Freude an deutscher Tradition - Foto: Privat

Sie lebt seit 2011 in Texas. Aber das hat weder mit dem Militär noch mit einem Mann zu tun, sondern viel mehr mit der Arbeit, die ihr schon immer sehr wichtig gewesen ist.
Ich wollte eigentlich in Deutschland Englisch unterrichten“, blickt Dr. Cindy Jones zurück. Das entsprechende Studium beinhaltet jedoch ein Studienjahr im englisch sprechenden Ausland. Ein Stipendium verschlägt sie zunächst nach Colorado. Wunderbare Eindrücke, doch manchmal packt sie das Heimweh. Bei einem deutschen Professoren-Stammtisch findet sie Trost und einen Job als Assistentin. Danach beendet sie ihr Studium in Deutschland.

Oktoberfest für Baylor

Heute doziert sie an der Baylor University in Waco. Bietet deutsche Sprach- und Literaturkurse an und freut sich über die „große deutsche Abteilung“, die sie und fünf weitere Dozenten umfasst. Und weil zu den wenigen Dingen, die sie aus Deutschland vermisst, das Oktoberfest gehört, hat sie kurzerhand eines für Baylor organisiert. „Mit dabei ist auch immer die Highschool aus Whitney mit deutschen Tänzen“, freut sie sich. „Die tanzen wirklich gut.“ Auf dem Campus gibt es Wettbewerbe. Auch Maßkrug-Stemmen, natürlich ohne Alkohol. Aber urdeutsches Essen, wie Curry-Wurst und Bretzeln. Und ganz viel Stimmungsmusik.
 So sehr ihr auch das typisch Deutsche am Herzen liegt, so sehr zieht es sie auch in die weite Welt hinaus. Und da, wo sie hin reist, ist sie auch, zumindest in rudimentären Zügen, der Landessprache mächtig. Ziemlich oben auf der Bucket-List steht Russland. Da will sie hin, wenn der Krieg vorbei ist. Und in der Zwischenzeit lernt sie russisch. Eine Faszination für dieses Land hat es schon immer gegeben: „Bei uns zuhause lief im Fernsehen immer Peter Scholl-Latour.“ Japan hat sie schon gemeinsam mit ihrer Tochter August besucht. „Das war 2020 und meine Tochter hatte gerade die Highschool beendet. Das war ein Graduation Gift für sie“, erzählt Cindy. Klar, dass sie auch japanisch spricht. August lebt mittlerweile in Florida und arbeitet dort als Managerin bei Amazon.

Unterstützende Atmosphäre

Nun aber zurück zu Cindy Jones' Werdegang. In Deutschland hat sie ihr Studium abgeschlossen und hat von 2011 bis 2016 an der UT in Austin promoviert. „Das hab’ ich nie bereut“, sagt sie. „Hier hat man viel mehr Freiheit in der Forschung als in Deutschland. Du kannst hier mehr selbst entscheiden als Doktorand.“ Seit 2017 doziert sie bei Baylor. Welche Auswirkungen es hat, dass Baylor eine christliche Universität ist? Sie überlegt einen Augenblick: „Die Religion als solche spielt nicht so eine große Rolle. Aber das Miteinander ist anders. Da ist so eine unterstützende Atmosphäre. Man versucht eher, miteinander auszukommen.“

Foster-Kids

Cindy wohnt mit Ehemann Brad, den sie online kennengelernt hat, in Waco. Immer wieder sind Austauschschüler zu Gast. Momentan ist das die 15-jährige Julia aus Frankfurt. Für „Leben in der Bude“ sorgen aber auch die Foster Dogs, die Cindy von der Human Society in Pflege nimmt, „solange, bis sie stubenrein sind“. Nebenbei engagiert sich die 47-Jährige auch noch als CASA, also als „Court Appointed Special Advocate“. In ihrem Fall bedeutet das, für zehn Foster-Kids in der Gegend um Austin zuständig zu sein und deren Interessen vor Gericht zu vertreten, so lange, bis sie adoptiert worden sind.
Nach Deutschland fliegt sie eher selten, dafür kommen ihre Schwester, ihr Schwager und die Neffen aber regelmäßig zu Besuch. Tochter August ist zweisprachig aufgewachsen. Für Cindy ist das selbstverständlich gewesen. „Ich habe zwei Großtanten in Kalifornien gehabt“, blickt sie zurück. „Die haben uns in Deutschland besucht und deren Kinder konnten kein Wort deutsch sprechen.“ Das habe sie als schlimm empfunden. „Ab da war mir klar, dass ich ein Kind zweisprachig aufziehen werde.“

Japan-Reise mit der Tochter - Foto: Privat

Schöne Stunden mit der Familie - Foto: Privat

Frau“ Liebich fühlt sich unpässlich

Spätsommer-Theater in Deutschland: Das so genannte Selbstbestimmungsgesetz, also jeder Mensch bestimmt selbst, welchem Geschlecht er sich zugehörig fühlt, wird gerade ad absurdum geführt. Und das ausgerechnet von einem Neo-Nazi, der sich als Frau identifiziert. Oder so tut, als ob er sich als Frau identifizierten würde. Also, ein silbergrauer Voll-Schnäuzer ist jetzt nicht so das weibliche Merkmal schlechthin. Marla-Svenja Liebich, früher bekannt als Sven Liebich, wird wegen rechtsextremistischer Aktivitäten, darunter Volksverhetzung, zu einer anderthalbjährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Halle hat Liebich in die JVA Chemnitz geladen. Nach derzeitigen Planungen soll Liebich zunächst in einem Frauengefängnis untergebracht werden. Laut Selbstauskunft zur Geschlechtsidentität hat sich Liebich als Frau identifiziert. Die Neuregelungen des Selbstbestimmungsgesetzes sind im November vergangenen Jahres in Kraft getreten ist. Dadurch ist es möglich, den Geschlechtseintrag durch eine persönliche Erklärung anpassen zu lassen. Seit Bekanntwerden der Gesetzespläne der Ampel waren immer wieder Bedenken hinsichtlich eines möglichen Missbrauchs geäußert worden, hauptsächlich von AfD und CDU. Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU heißt es jedoch lediglich, das Selbstbestimmungsgesetz werde „spätestens bis zum 31. Juli 2026“ überprüft.

Amtlich eingetragenes Geschlecht

Aber wohin jetzt mit Liebich? Benedikt Bernzen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle erklärt, die Entscheidung über die Unterbringung basiere auf zwei klaren Kriterien: dem amtlich eingetragenen Geschlecht (das ist im Fall Liebich weiblich) und dem gemeldeten Wohnort. Und da es sich beim Wohnort um einen sächsischen Ort handelt, gilt der dortige örtliche Vollzugsplan, der die Unterbringung weiblicher Gefangener in der JVA Chemnitz vorsieht. Das sächsische Justizministerium hat sich aber gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung dahin gehend geäußert, dass in bestimmten Fällen auch zusätzliche psychologische oder medizinische Gutachten herangezogen werden könnten. Dazu gehöre auch der Verdacht, dass jemand den Geschlechtseintrag bewusst verändert habe, um die Haftbedingungen zu beeinflussen. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Sven(ja) Liebich hat übrigens das Geschlecht und den Vornamen durch eine „einfache Erklärung“ gegenüber dem Standesamt im sächsischen Schkeuditz geändert.
Update: Die Posse geht weiter. Liebich hat die Haftstrafe nicht angetreten. Aber jede Menge Unterstützer dieser Person sind vor der JVA aufgetaucht, wo während einer Kundgebung ein Audio abgespielt wird, von „Frau“ Liebich, sie fühle sich unpässlich. Daraufhin ist die Kundgebung abgebrochen worden. Das scheint dann auch für einige Mainstream-Medien - wie der Spiegel - zu viel gewesen zu sein. und nennen jetzt wieder das Kind beim Namen und sprechen von Herrn Liebich.

Ähnlichkeit mit lebender Person ist nicht zufällig - Bild/ai: J. Staud

Während Gottesdienst erschossen

Die Kinder Harper Moyski (10) und Fletcher Merke (8) sind am Mittwoch während des Eröffnungsgottesdienstes zum neuen Schuljahr an der Annunciation Catholic School in Minneapolis (MN) getötet worden. Der Schütze hat dabei durch ein Fenster der Kirche geschossen. Der Polizei-Chef von Minneapolis, Brian O’Hara, sagt, der Schütze sei mit Riffle, Shotgun und Pistole ausgestattet gewesen. Weitere 18 Personen sind verletzt worden. Die Polizei identifiziert den Schützen als den 23-jährigen Robin Westman, der als biologischer Mann geboren wurde und sich als Transgender-Frau identifizierte. Westman begeht am Tatort Selbstmord. Die getöteten Kinder haben während der Messe in den Kirchenbänken gesessen. Unter den Verletzten sind 15 weitere Schüler und drei ältere Gemeindemitglieder. Zwei von ihnen befinden sich in kritischem Zustand.

FBI prüft

Robin Westmans Mutter hatte bis 2021 als Sekretärin an der Schule gearbeitet. Die Polizei sagt, er habe verstörende Schriften hinterlassen und „Töte Donald Trump“ auf Waffenmagazine gekritzelt. FBI-Chef Kash Patel schreibt auf der Plattform X, seine Behörde prüfe, ob es sich um Inlandsterrorismus und ein Hassverbrechen gegen Katholiken handele.

Halbmast für die Opfer - Foto: U. Weyermann

Schnelle Verbindung seit 62 Jahren

Ganz knapp den „Jahrestag“ verfehlt, aber dennoch einen Artikel wert ist folgendes: Am 30. August 1963 erhält John F. Kennedy als erster Präsident der US eine direkte Telefonverbindung zum Kreml nach Moskau in Moskau. Diese Hotline“ soll die Kommunikation zwischen den beiden Regierungschefs erleichtern.

Kreml und Pentagon

Die Einrichtung der Hotline zum Kreml erfolgt als Reaktion auf die Kubakrise im Oktober 1962, mit der die USA und die UdSSR einem umfassenden Atomkrieg gefährlich nahe gekommen sind. Kennedys Regierung hatte herausgefunden, dass die Sowjets auf Kuba Raketen stationiert hatten, die nukleare Sprengköpfe auf die USA abfeuern konnten. Der darauf folgende, äußerst angespannte diplomatische Austausch war von Verzögerungen durch langsame und langwierige Kommunikationssysteme geprägt. Verschlüsselte Nachrichten mussten per Telegraf oder Funk zwischen dem Kreml und dem Pentagon übermittelt werden. Obwohl Kennedy und Chruschtschow die Krise friedlich beilegen konnten und beide am 5. August 1963 einen Vertrag zum Verbot von Atomtests unterzeichnet hatten, führte die Angst vor künftigen „Missverständnissen“ zur Installation eines verbesserten Kommunikationssystems.

Ausflugstipp: Waco in Central Texas

Viele Attraktionen - Bild/ai: J. Staud

Interessantes über Dr Pepper - Foto: U. Weyermann

Die Stadt Waco hat vieles zu bieten. Bevor wir zum fröhlichen Teil übergehen, sei zunächst von einem traurigen Ereignis erzählt: Die Davidians, eine von David Koresh angeführte Sekte, hatte ihren Sitz auf der Mount Carmel Ranch außerhalb von Waco. Koresh behauptete, ein Prophet des Endzeitalters zu sein. Die Sekte wurde verdächtigt, illegal Waffen zu horten. Das Unglück begann am 28. Februar 1993 mit einer missglückten Razzia durch das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF), die zu einer Schießerei führte, bei der vier Sekten-Mitglieder starben. Die darauf folgende Patt-Situation endete am 19. April 1993 mit dem Einsatz von Tränengas durch das FBI. Dadurch wurde ein Brand ausgelöst, der das Gelände erfasste und 86 Menschen, darunter Koresh, tötete.

Anderthalb Stunden von Dallas und Austin entfernt

Mit knapp 150.000 Einwohnern bietet Waco so ziemlich alles für einen perfekten Tagesausflug. Geschichte, Natur, Shopping und Familienspaß. Und das nur anderthalb Autostunden von Dallas oder Austin entfernt. Mit dem Magnolia Market in den Silos lässt es sich mit einem guten Kaffee und frischem Gebäck prima in den Tag starten. Und wer schon immer mehr über das texanische Nationalgetränk wissen wollte, findet im Dr. Pepper Museum reichlich Auskunft. Die Waco Suspension Bridge ist ein Wahrzeichen der Stadt und bietet tolle Fotomotive. Familien werden den Cameron Park Zoo und die malerische Wanderwege zu schätzen wissen. Da sich nicht alles in einen Tag packen lässt, hier noch ein paar Ziele, von denen Sie sich etwas aussuchen können: Waco Mammoth National Monument, Texas Ranger Museum oder das Mayborn Museum oder Entspannung und Abenteuer am Lazy River von Waco Surf.

Interessant ist natürlich auch die Baylor University, über die sie mehr im Porträt der mit Dr. Cindy Jones lesen können.

Dr Pepper Museum - Foto: U. Weyermann

Familienspaß an den Silos - Foto: U. Weyermann

Termine für Deutsche in Texas

2. September, 18 Uhr
Abendrunde
Backporch Drafthouse
Killeen

6. September, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

11. September, 13 Uhr
Liederkranz
Restaurant Brickoven
Kempner

13. September, 13 Uhr
Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights

17. September, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb and Earnie's
Copperas Cove

14. Juni, 19.00 Uhr
Stammtisch Waco
Biergarten Pivovar
320 S 8th St

19. und 20. September
Annual Conference
German Texan Heritage Society
507 E 10th St.
Austin

20. September, 16 Uhr
Oktoberfest
Downtown
Copparas Cove

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