33. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , 12. Oktober 2025

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

das Porträt ist heute post mortem, das war nicht so geplant. Aber manchmal ändern sich die Dinge. Manchmal sogar zum Guten. Im Nahen Osten oder Middle East (kommt ganz darauf an, wo Sie sich gerade befinden) zum Beispiel. Auch wenn es noch nur ein Waffenstillstand ist, unzählige Menschenleben sind dadurch gerettet worden. Mit diesem guten Gefühl wünsche ich Ihnen einen schönen Sonntag und einen schönen Feiertag.

Herzlichst

Ursula Weyermann
[email protected] 

Jahrestag

12. Oktober 1922
Am 12. Oktober 1972 kommt es an Bord von Schiffen der US-Marine zu rassistischen Ausschreitungen. 46 Matrosen werden bei einem Rassenaufstand verletzt, an dem mehr als 100 Matrosen auf dem Flugzeugträger USS Kitty Hawk beteiligt sind, der auf dem Weg zu seinem Stützpunkt im Golf von Tonkin vor Vietnam ist. Der Vorfall ereignet sich, als ein schwarzer Matrose wegen einer Auseinandersetzung, die sich während des Landgangs der Besatzung in Subic Bay (auf den Philippinen) ereignet hat, zur Befragung vorgeladen wird. Der Matrose weigert sich, eine Aussage zu machen, und er und seine Freunde begannen eine Schlägerei, bei der 60 Matrosen verletzt wurden. Schließlich werden 26 Männer, alle schwarz, wegen Körperverletzung und Aufruhr angeklagt und vor ein Militärgericht in San Diego gestellt.
Vier Tage später teilt eine Gruppe von etwa zwölf schwarzen Matrosen an Bord der USS Hassayampa - einem in Subic Bay vor Anker liegenden Flottenversorgungsschiff - den Offizieren des Schiffes mit, dass sie nicht mit dem Schiff auslaufen werden, wenn es in See sticht. Die Gruppe forderte die Rückgabe von Geld, das angeblich aus der Brieftasche eines Mitglieds der Gruppe gestohlen worden war. Die Schiffsführung handelt nicht schnell genug, um die Situation zu entschärfen, und später am selben Tag wird eine Gruppe von sieben weißen Matrosen von der Gruppe angegriffen und geschlagen. Erst die Ankunft einer Marineeinheit kann die Ordnung wiederherstellen. Sechs schwarze Matrosen werden wegen Körperverletzung und Aufruhr angeklagt.

Wesentliche Änderung der Marinevorschriften

Diese Vorfälle zeigten, wie tiefgreifend die Rassenprobleme in der Marine waren. Alle Teilstreitkräfte hatten zuvor ähnliche Probleme erlebt, aber die Marine hinkte den anderen hinterher, wenn es darum ging, die Probleme anzugehen, die zu den rassistischen Spannungen führten, die auf der Kitty Hawk und der Hassayampa ausbrachen. Admiral Elmo R. Zumwalt Jr., Chef der Marineoperationen, führte neue Programme zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Rassen ein und nahm wesentliche Änderungen an den Marinevorschriften vor, um viele der sehr realen Probleme anzugehen, die von den schwarzen Matrosen hinsichtlich rassistischer Ungerechtigkeiten in der Marine angesprochen worden waren.

Deutsche Siedlerin in Texas: Caroline Ernst

Elf Kinder geboren, zwei haben nicht überlebt - Bild/ai: J. Staud

Frauen durften nicht wirklich zimperlich sein, wenn sie sich im 19. Jahrhundert auf den Weg nach Texas gemacht haben. Eine von ihnen ist Caroline Ernst, die mit ihrer Familie zu den ersten deutschen Siedlern in Texas zählt. 1819 in Oldenburg geboren, verschlägt es sie mit ihren Eltern schon 1831 nach Texas. Ihre Eltern sind Luise und Friedrich Ernst. Friedrich Ernst wird an anderer Stelle auch als Friedrich Dierks geführt. Und warum der so früh die große Flatter über'n großen Teich gemacht hat, ist uns ja schon aus anderen Geschichten bekannt. Er hatte bei einem Postraub in Oldenburg über 1000 Taler erbeutet. In Texas siedelt er sich mit seiner Familie in der ersten deutschen Kolonie an, die später Industry heißen wird.

Krieg der Ochsen-Kutscher

Aber jetzt zurück zu seiner Tochter Caroline. Die heiratet mit 18 Jahren im Mai 1837 in Cat Spring (Austin County) Ludwig (Louis) Roeder. Der ist gebürtig aus Marienmünster (Kreis Höxter) in Westfalen und Soldat in der texanischen Armee. Mit ihm zusammen hat sie drei Kinder, von denen allerdings nur einer das Erwachsenenalter erreicht. Louis stirbt 1940 und Caroline heiratet ein Jahr später dessen Bruder Albrecht von Roeder, mit dem sie sieben Kinder hat. Albrecht fällt 1857 im Cart War. Das war war eine heftige kriegsähnliche Auseinandersetzung, bei der amerikanische Ochsen-Kutscher 70 mexikanische Ochsen-Kutscher angriffen und erhängten. Der „Krieg“ bestand aus fünf Angriffen, drei im Juli, einer im September und der letzte im November 1857. Nach Albrechts Tod, muss Caroline einige hundert Acker Land verkaufen, um sich und die neun Kinder durchbringen zu können. Sie heiratet schließlich in dritter Ehe im Februar 1860 den Einwanderer Werner von Hinueber, Farmer in San Antonio. Diese dritte Ehe, in der zwei Söhne als Zwillinge geboren werden, wird 1872 wieder geschieden. Nach der Scheidung lebt Caroline mit ihren jüngeren Kindern zunächst im Yoakum County, später zieht sie mit ihrer Tochter Rosa nach Lockhart zu einem ihrer erwachsenen Söhne. Tochter Rosa hat wahrscheinlich Kinderlähmung gehabt und bleibt beeinträchtigt. Mutter Caroline sorgt ihr Leben lang für ihre Tochter, bis sie 1902 in Lockhart stirbt.

Ihre Erlebnisse erzählt sie später in einem sechsseitigen Artikel - Foto: TSHA

Deutschland: Kommt es zum „Spannungsfall“?

Zurzeit wird in Deutschland über den so genannten Spannungsfall“ nachgedacht. Ziemlich laut gedacht. Am lautesten denkt diesbezüglich Roderich Kiesewetter, seines Zeichens CDU-Sicherheitsexperte, der – man vergisst immer so schnell – schon im Februar 2024 „den Krieg nach Russland tragen“ wollte. Die Rechnung ist (noch) nicht ganz aufgegangen, aber Kiesewetter bleibt dran. Der Spannungsfall ist die Vorstufe zum Verteidigungsfall. Dieser ist nicht präzise definiert und seine Ausrufung benötigt zwar eine Zweidrittelmehrheit, aber der Bundesrat muss nicht einbezogen werden. Dass Kiesewetter Krieg will, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber wem kann dieser Spannungsfall sonst noch nützlich sein? Er ginge auf jeden Fall mit mit einer Einschränkung der Grundrechte einher. Sie erinnern sich? Das haben wir doch schon einmal gehabt vor gar nicht so langer Zeit. „Spannungsfall“ erinnert ein bisschen an „Pandemie“. Oder?

Post- und Fernmeldegeheimnis

Mit Ausrufen des Spannungsfalls, können Versammlungen verboten oder auf bestimmte Orte und Zeiten beschränkt werden, wenn Sicherheitserwägungen (ein ziemlich schwammiger Begriff, der viel Interpretations-Spielraum lässt) das erforderlich machen. Polizei und Militär bekommen deutlich mehr Befugnisse. Äußerungen, die als Aufruf zur Gewalt oder zur Störung der öffentlichen Ordnung interpretiert werden, können unterbunden werden. Medien können zur Zurückhaltung” aufgefordert werden. Die Reise- und Bewegungsfreiheit kann eingeschränkt und die Ausreise per Erlass verboten werden. Außerdem können Überwachung und Datenspeicherung ausgeweitet werden, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen. Das Post- und Fernmeldegeheimnis kann aufgehoben werden. Und im Extremfall können Enteignungen oder Beschlagnahmungen von Eigentum zur Gefahrenabwehr erfolgen. Die Unverletzlichkeit der Wohnung ohne richterliche Anordnung ist dann nicht mehr garantiert. Die Wehrpflicht würde dann automatisch und sofort wieder in Kraft treten. Alle wehrpflichtigen Männer und Frauen können einberufen und zusätzliche Reservisten mobilisiert werden. Die Bundeswehr darf auch im Inneren eingesetzt werden.
Die Politiker, die ständig vorgeben, „unsereDemokratie“ schützen zu wollen, haben mit dem „Spannungsfall“ alle Möglichkeiten an der Hand, alles zu beseitigen, was unsere Demokratie noch ausmacht.
Nachtrag: Da ich den Sonn(en)tag allein schreibe und so natürlich nicht alles am letzten Tag schreiben kann, werde ich oft von der Realität überholt. So auch jetzt . „Spannungsfallwird jetzt noch einmal aktueller, wo überall Drohnen gesichtet werden. Dem Thema Drohnen und Russland widme ich mich in der nächsten Ausgabe.

Entwässerungstunnel in Austin

Im Rahmen eines 4,5 Milliarden Dollar teuren Projekts zur Erweiterung der I-35 durch Austin wird auf einer Länge von 10,5 Kilometern ein 6,7 Meter breiter Entwässerungstunnel 60 Meter unter der Erde gebaut. Der Tunnel wird um 20 Meter abgesenkt. Das Projekt umfasst eine Pumpstation, die 490.000 Liter Regenwasser pro Minute transportieren kann.

Bohrmaschinen aus Deutschland

Für den Tunnelbau werden im nächsten Frühjahr zwei in Deutschland hergestellte Bohrmaschinen geliefert. Die Doppelschildmaschinen sollen Vibrationen erzeugen, die an der Oberfläche spürbar sind, während sie bis zu 15 Meter pro Tag vordringen und vorgefertigte Betonplatten anbringen, die die Tunnelwände auskleiden. Um den Zugang zu den Maschinen zu ermöglichen, hat das Texas Department of Transportation (TxDOT) entlang der Tunnelstrecke neun Fallschächte errichtet. „Die Mannschaften gehen davon aus, in diesen Bereichen tagsüber, nachts und an den Wochenenden zu arbeiten“, so das Verkehrsministerium, bis das Projekt voraussichtlich im Jahr 2029 abgeschlossen sein wird. Vor Beginn der Arbeiten bietet der Auftragnehmer der Öffentlichkeit die Möglichkeit, die Maschinen persönlich zu besichtigen und zu berühren. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Internet-Seite des Ministeriums zu finden.

Einer von neun Fallschächten - Foto: TxDot

Robert Robertson: Hinrichtung wieder blockiert

Die für nächste Woche geplante Hinrichtung von Robert Roberson, der 2003 wegen Mordes an seiner zweijährigen Tochter Nikki verurteilt wurde, ist vom texanischen texanischen High Criminal Court ausgesetzt worden. Seit über 20 Jahren beteuert seine Unschuld. Es ist bereits das dritte Mal, dass seine Hinrichtung blockiert wird. Ein Hinrichtungstermin ist bereits vor einem Jahr ausgesetzt worden, das hat eine überparteiliche Gruppe texanischer Abgeordneter erwirkt, die an seine Unschuld glauben. Der aktuelle Beschluss bezieht sich sich auf einen Hinrichtungsaufschub in einem ähnlichen Fall vom vergangenen Oktober. Damals ist ein neuer Prozess gegen einen Mann aus Dallas County angeordnet worden, der wegen der Verletzung eines Kindes verurteilt worden war. Bei dem Kind war das Schütteltrauma diagnostiziert worden, ein in den letzten Jahren stark in den Fokus gerücktes Phänomen.

Junk-Science-Gesetz

Robersons Fall ist jetzt an ein Gericht in Anderson County zurückverwiesen worden, um neue Beweise zu prüfen, die ihn von einem Fehlverhalten freisprechen könnten. Roberson und sein Anwaltsteam bestehen darauf, dass Nikki an den Folgen einer chronischen Lungenentzündung und einem Sturz aus dem Bett gestorben sei. Hier kann das Junk-Science-Gesetz von Texas aus dem Jahr 2013 zum Tragen kommen, das eine erneute Überprüfung vorsieht, wenn die wissenschaftlichen Grundlagen einer Verurteilung zwischenzeitlich widerlegt worden sind. Der republikanische Abgeordnete Jeff Leach aus Plano, dessen Ausschuss im vergangenen Jahr in letzter Minute einen Aufschub von Robersons Hinrichtung erwirkt hat, lobt die Entscheidung und sagt: „Wahrheit und Gerechtigkeit siegen endlich.“ Andere, darunter Kinderärzte der University of Texas in Austin und der Yale School of Medicine, behaupten, Roberson sei für den Tod des Kindes verantwortlich.

Melania Trump erfolgreich für Kinder gekämpft

Melania Trump hat jetzt bekanntgegeben, dass acht durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine vertriebene Kinder nach laufenden Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wieder mit ihren Familien vereint sind. Dabei hat die First Lady sich für alle Kinder in diesem Krieg stark gemacht. Die Schicksale der Kinder sind unterschiedlich. Drei Kinder sind aufgrund der Kämpfe an der Front von ihren Eltern getrennt und nach Russland gebracht worden. Fünf weitere sind über die Grenzen hinweg von ihren Familienmitgliedern getrennt worden. Darunter ist auch ein junges Mädchen, das nun aus der Ukraine nach Russland zurückgebracht worden ist.

Brief an Putin

Die First Lady hat Putin im August einen Brief geschrieben und von ihrem Mann persönlich überbringen lassen, als dieser ein Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten in Alaska abgehalten hat. Mit dem Brief ist zu Frieden in der Ukraine aufgerufen worden. Im Weißen Haus hat die Melania Trump jetzt in einer Ansprache gesagt, dass nach Putins schriftlicher Antwort auf ihren Brief ein „offener Kommunikationskanal“ zum Wohl dieser Kinder eingerichtet worden sei. Sie stellt in Aussicht, dass weitere Kinder folgen könnten. Man stehe zu dem Verbleib von ukrainischen Kindern in Russland in Kontakt mit der russischen Seite.

Ukrainische und russische Kinder wieder bei Familien - Bild/ai: J. Staud

Grundstein für das Weiße Hause

Den Jahrestag knapp verfehlt hat die Grundsteinlegung für das Weiße Haus in Washington DC. Am 13. Oktober 1792 wird der Grundstein für das Weiße Haus an der 1600 Pennsylvania Avenue gelegt, es ist gleichzeitig der Gründungstag der US-Hauptstadt Washington. Bauherr ist George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten, Architekt der Ire James Hoban. Auch nach acht Jahren Bauzeit sind die Wände feucht, die Fenster undicht. Für Abigail Adams, Ehefrau von John Adams und erste First Lady, die im Jahr 1800 einzieht, ist das Weiße Haus schlicht: „Das dreckigste Loch, das ich je gesehen habe.“ Sie lässt in jedem Raum rund um die Uhr Kaminfeuer brennen. In den folgenden Jahren wird das Weiße Haus einmal komplett zerstört und mehrfach von Grund auf renoviert. Dennoch leben und arbeiten hier 43 der insgesamt 44 US-amerikanischen Präsidenten.

TV-Rundgang mit Jackie Kennedy

Dank Jackie Kennedy sind viele Möbelstücke aus der Anfangszeit erhalten geblieben. Sie ist die erste First Lady, die den Amerikanern intimere Einblicke in den Präsidentenpalast gewährt. „Das berühmteste Möbelstück ist natürlich das Bett von Abraham Lincoln. Jeder Präsident hat es geliebt: Theodore Roosevelt hat darin geschlafen genau so wie Calvin Coolidge”, plaudert First Lady Jackie K. 1962 bei einem öffentlichen Rundgang vor laufenden Kameras. 50 Millionen Zuschauer sehen die Sendung im Fernsehen. Bei Jackies Einzug ist das berühmte Haus heruntergekommen und kaum etwas aus der Zeit von vor 1902 vorhanden. Sie beginnt die Geschichte des Weißen Hauses zu studieren und verlorengegangene Möbelstücke zurückzukaufen. „Britische Truppen hatten das Gebäude in der Nacht zum 24. August 1814 angezündet. Das Haus des Präsidenten war nur noch eine verkohlte Ruine und musste komplett neu aufgebaut werden. Und eine Zeit lang galt es als das schäbigste öffentliche Gebäude“, sagt sie in der Fernsehsendung.
1833 geht es wieder aufwärts und das Weiße Haus erhält Zugang zu fließendem Wasser. Kurz darauf folgen Gasbeleuchtung, Zentralheizung und der erste Telefonanschluss, mit der Nummer 1.

White House Südseite ca. 1846 - Foto: John Plumbe

Termine für Deutsche in Texas

15. Oktober, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb and Earnie's
Copperas Cove

15. Oktober, 11 Uhr
Deutscher Stammtisch
Machi Sushi
910 Central Texas Expressway
Killeen

18. Oktober, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

25. Oktober, 15.30 Uhr
Kaffeeklatsch DFW
303 Elm Street
Keller
FB: Martina Bergmann-Rushing

25. Oktober, 19 Uhr
Stammtisch Waco
Restaurant Pivovar
320 8th St.
Waco

25. Oktober, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights

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