46. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , Februar 2025

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

Wir befinden uns in der so genannten 5. Jahreszeit. Und die macht auch vor Texas nicht halt. Lassen Sie mich gerne wissen, wie sie die tollen Tage verbringen.
In dieser Ausgabe gibt es - wie immer - den „Jahrestag“ und einen „Fast-Jahrestag“. Der Artikel zu letzterem ist kursiv gedruckt und damit ein Kommentar. Wie ist Ihre Meinung dazu? Ich freue mich über Zuschriften, die ich gerne als Leserbriefe veröffentliche.

Herzlichst

Ursula Weyermann
[email protected] 

Jahrestag

1. Februar 2003
Obwohl es nicht die letzte Space Shuttle-Mission ist, läutete dieses Unglück den Anfang vom Ende des Space Shuttle-Programms ein: Alle sieben Astronautinnen und Astronauten kommen bei dem Unglück ums Leben. Sie starten am 16. Januar 2003 ins All und forschen auf ihrer Mission unermüdlich. Im Frachtraum befindet sich das sogenannte „Spacehab“, ein Weltraumlabor, in dem rund um die Uhr gearbeitet wird. Die Crew führt insgesamt 32 Experimente durch. Unter anderem werden die Duftmoleküle einer Rose untersucht, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist ein Aquarium mit an Bord und aus Australien acht Radnetzspinnen, deren Netzbau in der Schwerelosigkeit untersucht werden soll. Nach gut zwei Wochen Forschung im All, am 1. Februar 2003 um 14.15 Uhr, zündet die Columbia für ungefähr zweieinhalb Minuten ihre Bremstriebwerke. Eine Stunde später soll sie am Kennedy Space Center in Florida landen.

Schaumstoffisolierung gelöst

Doch weshalb zerbricht das Space Shuttle? Nur 81 Sekunden nach dem letzten Raketenstart für den Rückflug der Columbia löst sich ein Stück der Schaumstoffisolierung des externen Tanks, ungefähr 750 Gramm schwer, und trifft mit geschätzt 600 bis 1.000 km/h den linken Flügel des Space Shuttles. Dieses Ereignis fällt zunächst gar nicht auf. Erst als die Columbia bereits zwei Tage im Orbit ist, wird der Aufprall bei Analysen der Videos, die beim Start gemacht worden sind, bemerkt. Die Arbeitsgruppe für Bildanalysen der NASA fordert Teleskopaufnahmen der Raumfähre an, um diese auf Schäden zu untersuchen. Die Gruppe befürchtet, dass die Hitzeschutzkacheln beschädigt sein könnten. Die Space Shuttle-Ingenieure sind allerdings weniger besorgt. Ähnliche Vorfälle hat es bereits bei früheren Missionen gegeben und die betroffenen Shuttles haben nie ernsthaften Schaden davongetragen. Eine Computer-Simulation ergibt zwar, dass der Einschlag zu erheblichen Schäden am Hitzeschild der Tragfläche hätte führen können, doch das Programm neigt zur Übertreibung solcher Simulationen.
Außerdem ist man nicht davon ausgegangen, dass ein Stück Schaumstoff das Shuttle wirklich ernsthaft in Gefahr bringen könnte. Die Vermutung: Falls die Kacheln des Hitzeschilds beschädigt sind, dann nicht schwer genug, um der Raumfähre eine Rückkehr unmöglich zu machen. Doch als sie in 70 Kilometer Höhe bei 23-facher Schallgeschwindigkeit über Kalifornien fliegt, zeigen sich die ersten Probleme. Im Kontrollzentrum informiert Jeff Kling, der zuständige Ingenieur für die mechanischen Systeme, den Flugdirektor Leroy Cain, dass vier unabhängige hydraulische Sensoren keine Daten mehr liefern. Der Kontakt sei nacheinander, innerhalb von vier oder fünf Sekunden abgebrochen. Die Sensoren befänden sich im hinteren Teil der linken Tragfläche.

Funkkontakt bricht ab

Zu diesem Zeitpunkt beobachten Augenzeugen bereits, wie Teile des Space Shuttles abbrechen. In Videoaufnahmen ist die Columbia deutlich als glühendes Objekt am Himmel über dem Südwesten der USA zu erkennen. Immer wieder brechen kleinere und größere Stücke ab, entfernen sich vom Space Shuttle und verglühen. Ungefähr 15 Minuten vor der geplanten Landung bricht der Funkkontakt zur Columbia endgültig ab. Spätere Untersuchungen ergeben, dass das Stück der Schaumstoffisolierung, dass beim Start auf die Tragfläche getroffen ist, vermutlich ein Loch in den Hitzeschutz an der Flügelkante geschlagen hat. Bei einem Test wird mit einer Stickstoffkanone ein ähnliches Stück Isoliermaterial mit ungefähr 800 km/h auf eine solche Kachel geschossen und reißt ein 25 Zentimeter großes Loch hinein.

Trümmerteile von West-Texas bis Louisiana

Beim Wiedereintritt zerstört heißes Plasma in der Erdatmosphäre die Tragfläche von innen und außen. Die Raumfähre ist immer schlechter zu steuern, bis sie schließlich ihre aerodynamische Stabilität völlig verliert. Mit 15-facher Schallgeschwindigkeit beginnt sie zu trudeln und zerbricht unter den enormen Kräften. Trümmerteile werden von West-Texas bis nach Louisiana gefunden – über mehr als 5.000 Quadratkilometer verteilt.

Denkmal in D.C.

Das Space Shuttle-Programm wird zwei Jahre lang auf Eis gelegt, um das Unglück zu untersuchen und sicherzustellen, dass es sich nicht wiederholen würde. Noch bevor die nächste Mission startet, verkündet der damalige US-Präsident George Bush, dass das Programm eingestellt würde, sobald die Internationale Raumstation fertig gestellt sei.
17 Jahre vor der Columbia, 1986, war das Space Shuttle Challenger beim Start zerbrochen. Mit diesen beiden Unglücken wird das Space Shuttle-Programm das bisher tödlichste in der Raumfahrtgeschichte. 14 der 19 Astronautinnen und Astronauten, die bei einer Weltraummission ums Leben kamen, starben in einem Space Shuttle. Wie schon für die Crew der Challenger wurde auch für die der Columbia auf dem Nationalfriedhof in Arlington, Virginia, nahe der Hauptstadt Washington, D.C., ein Denkmal errichtet.

Gedenken an die Columbia-Katastrophe vom 1. Februar 2003 - Bild/ai: J. Staud

Bibel als Pflichtleküre in Texas?

Der Ausschuss für Bildung in Texas hat jetzt die Abstimmung über eine vorgeschlagenen Pflichtlektüre-Liste für Schüler öffentlicher Schulen verschoben. Dem sind stundenlangen Diskussionen vorausgegangen über die Aufnahme von Bibelpassagen und darüber, ob den Schülern die Möglichkeit gegeben werden solle, sich in den gelesenen Geschichten wiederzuerkennen.
 Der Vorschlag ist Teil einer landesweiten Leseliste, welche die „Texas Education Agency“ im Rahmen des Gesetzentwurfes 1605 aus dem Jahr 2023 erstellt hat. Ziel des Gesetzes ist es, den Schülern über alle Klassenstufen hinweg eine einheitlichere Auswahl an Texten zur Verfügung zu stellen. Diese Liste umfasst fast 300 Bücher sowie Texte über den Turmbau zu Babel, David und Goliath und die Seligpreisungen.

Klassische Literatur oder Benachteiligung anderer Religionen

Die Demokraten kritisieren hierbei, dass die Liste das Christentum gegenüber anderen Religionen bevorteile und nicht genügend Werke von anderen Autoren enthalte. „Die Liste repräsentiert nicht die Schülerinnen und Schüler von Texas“, sagte Tiffany Clark, die Teile von Dallas und Fort Worth vertritt. Die Republikaner hingegen argumentieren, die ethnische Zugehörigkeit oder das Geschlecht des Autors eines Textes sei für dessen Bedeutung irrelevant. „Wenn wir uns mit klassischer Literatur befassen, betrachten wir Literatur, die sich über die Jahrhunderte bewährt hat“, so Brandon Hall, dessen Wahlkreis Weatherford und Granbury umfasst.

Karneval und Mardi Gras in Texas

Ob man von Fastnacht, Karneval oder Fastelovend spricht, gemeint ist das Gleiche: Die ausgelassenen Zeit im Februar oder Anfang März, die die Fastenzeit einläuten soll. Ob man dabei sein Bier mit „Alaaf“ oder „Helau“ konsumiert, hängt ganz von der Gegend ab, in der man sich befindet. Zumindest in Deutschland. Texas ist auch von diesem Virus befallen, hier mischen sich aber auch Mardi Gras-Traditionen dazu. Dazu gehören auch zum Beispiel entsprechende Paraden in Galveston.
Nähern wir uns zunächst einmal den Begriffen. „Carne Vale“ heißt „ohne Fleisch“. Fastnacht ist die Nacht zur Fastenzeit. Der Rheinländer hat mit Fastelovend den Abend vor der Fastenzeit benannt. Und „Mardi gras“ heißt nichts anderes als „fetter Dienstag“ und bezeichnet den letzten ausgelassenen Tag vor Aschermittwoch.
Fastnacht hat Wurzeln, die bis ins Mittelalter um das 12. bis 13. Jahrhundert zurückreichen. Es entstand als letzte Feier vor der 40-tägigen Fastenzeit. Erste schriftliche Erwähnungen finden sich um 1206, während der älteste Umzug im Jahr 1397 belegt ist.
Jedenfalls ist Texas bereits in die Karneval-Saison gestartet. Und in Städten, in denen viel Deutsche ansässig sind, gibt es auch Kostüm-Wettbewerbe, wie zum Beispiel in Copperas Cove.

Töchter und Söhne Texas’ (11)

Ein Texaner wie aus dem Bilderbuch, der trotz seines brandgefährlichen Lebens erstaunlich alt geworden ist. Die Rede ist von „Red Adair“, einem Texaner mit rotem Haar, trockenem Humor und einem Beruf, den es so kaum ein zweites Mal gegeben hat. Er löschte brennende Ölquellen. Geboren 1915 in Houston wird Paul Neal „Red“ Adair zur Legende, weil er genau dann gerufen wird, wenn alle anderen aufgegeben haben. Brennende Öl- und Gasquellen gehören zu den gefährlichsten Industriebränden der Welt: meterhohe Flammen, extreme Hitze, Explosionsgefahr, oft tagelang oder monatelang außer Kontrolle. Dazu Red Adair: „Man kann fast jedes Feuer löschen, man muss nur wissen wie.“ Was seine Arbeit so spektakulär macht, ist seine Methode. Red Adair nutzt kontrollierte Explosionen – Dynamit oder Nitroglyzerin –, um den Flammen in einem einzigen Moment den Sauerstoff zu entziehen. Das Feuer erlischt schlagartig. Danach wird die Quelle gekühlt, gesichert und neu verschlossen. Was für Laien verrückt klingt, beruht auf Erfahrung, Physik und absolutem Vertrauen in sein Team. Dabei ist Adair kein Draufgänger ohne Respekt vor der Gefahr. Im Gegenteil: Er ist ein Mann der Praxis, der Vorbereitung und der Verantwortung. Sein berühmtestes Zitat bringt das auf den Punkt: „Wenn du glaubst, ein Profi sei teuer – warte ab, bis du einen Amateur engagierst.“

Hunderte brennende Ölquellen

Internationale Bekanntheit erlangt Red Adair Anfang der 1990er-Jahre, als nach dem Rückzug irakischer Truppen aus Kuwait hunderte Ölquellen in Brand gesteckt werden. Viele Experten rechnen mit Jahren der Zerstörung. Red Adair und sein Team helfen, die Brände deutlich schneller als erwartet zu löschen – ein enormer wirtschaftlicher und ökologischer Erfolg. Hinter dem rauen Auftreten steckt ein Mann mit klaren Prinzipien: Loyalität gegenüber seinen Mitarbeitern, Respekt vor harter Arbeit und ein tiefes Vertrauen in Erfahrung statt Theorie. Red Adair stirbt 2004 in Houston. Doch sein Vermächtnis lebt weiter – in Sicherheitsstandards, Spezialtechnik und der Erkenntnis, dass Mut und Fachwissen gemeinsam Berge versetzen können. In einer Zeit, in der vieles abstrakt und digital wirkt, erinnert uns Red Adair daran, dass manche Probleme nur durch entschlossenes Handeln, Teamarbeit und Verantwortung gelöst werden können. Er war kein Held im klassischen Sinn – aber jemand, der dort hinging, wo andere nicht mehr weiter wussten.

Paul Red Adair - Foto: Texas State Historical Association

Erinnerung an die 9.000 Toten von der „Wilhelm Gustloff“

Knapp den Jahrestag verpasst hat die „Wilhelm Gustloff“. Sie versank am 30. Januar 1945 gegen 21 Uhr in den eisigen Fluten der Ostsee. Das Schiff, ehemals ein KdF-Kreuzfahrtschiff, diente als schwimmende Kaserne und Flüchtlingsschiff. Es handelt sich um die größte Schiffstragödie der Geschichte. Und dennoch spricht kaum jemand davon. Warum? Weil „nur“ Deutsche starben?

Flüchtlinge aus Ostpreußen

Die „Wilhelm Gustloff“ befindet sich auf dem Weg von Gotenhafen nach Kiel im Rahmen der Evakuierungsaktion „Unternehmen Hannibal“. 23 Seemeilen vor der pommerschen Küste entfernt, treffen Torpedos eines sowjetischen U-Bootes das Schiff, das bis zum Rand gefüllt ist mit Verwundeten, Frauen, Kindern und Flüchtlingen aus Ostpreußen – Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und dem sicheren Tod an Land. Rund 9.000 von ihnen überleben diese Nacht nicht. Sie erfrieren und ertrinken. Sie haben im Dunkeln in der Ostsee geschrien. Bis es still geworden ist. Totenstill.

Leid relativieren?

Bei der Titanic-Katastrophe sind „nur“ 1.500 Menschen gestorben. Und diese Geschichte wird durch Bücher, Filme und Erzählungen in ständiger Erinnerung gehalten.
Zurück zur „Wilhem Gustloff“: Nur 1.239 Menschen überleben das eisige Wasser.
Während andere Opfer des Zweiten Weltkriegs zu Recht Mahnmale und Gedenktage bekommen, bleiben diese deutschen Toten namenlos. Ihr Leid passt nicht in das gewünschte Geschichtsbild, die simple Einordnung in Opfer und Täter. Darf Leid relativiert werden, weil es auf der „falschen Seite“ stattfindet? Wer der Meinung ist, dass Kinder, Frauen und Verwundete nicht betrauert werden dürfen, weil sie Deutsche sind, hat in meinen Augen seine Menschlichkeit verloren.

Ausflugstipp: Wichita Falls

Zur Erinnerung an die Ureinwohner - Foto: U. Weyermann

Wichita Falls blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die von indigenen Wurzeln über den Ölboom bis hin zu verheerenden Naturkatastrophen reicht. Das Gebiet wurde ursprünglich von den Wichita, Comanche und Kiowa bewohnt. Der Name stammt von den Wichita-Indianern. Eine Legende besagt, das Wort bedeute „bis zur Hüfte“ (waist deep), was sich auf eine Flussüberquerung beziehen soll.

Partnerstadt in Bayern

Die Stadt wurde 1876 geplant und 1882 mit der Ankunft der „Fort Worth and Denver City Railway“ offiziell gegründet. Die namensgebenden Wasserfälle im Wichita River wurden bereits 1886 durch eine Überschwemmung zerstört. Erst 1987 wurde im Lucy Park ein künstlicher, 16,5 Meter hoher Wasserfall als Ersatz errichtet.  Durch den Ausbau mehrerer Eisenbahnlinien entwickelte sich die Stadt um 1900 zu einem zentralen Handelszentrum für Nord-Texas. Die Entdeckung von Öl im nahegelegenen Burkburnett im Jahr 1918 löste ein massives Bevölkerungswachstum aus. In dieser Zeit entstand auch das „kleinste Hochhaus der Welt“ (Newby-McMahon Building), ein Denkmal für die damalige Spekulationswut. Seit 1941 beherbergt die Stadt die „Sheppard Air Force Base,“ die heute eines der wichtigsten Ausbildungszentren für NATO-Jetpiloten ist. Die Stadt pflegt zudem eine Städtepartnerschaft mit Fürstenfeldbruck in Bayern

Sheppard Air Force Base - Foto: U. Weyermann

Die Eisenbahn spielt eine wichtige Rolle - Foto: U. Weyermann

Termine für Deutsche in Texas


3. Februar, 17.30 Uhr
Abendrunde
Café Baklava
Killeen

7. Februar, 13 Uhr
Liederkranz - Faschingsparty
Restaurant Brick Oven
12093 US-190
Kempner

7.. Februar, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

14. Februar, 19 Uhr bis 23 Uhr
Fasching Party, Mardi Grass
Costume Contest
Social Hall, Catholic Church
1001 Georgetown Road
Copperas Cove
Tickets 254-547-3735

18. Februar, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb & Ernie's
Copperas Cove

28. Februar, 13 Uhr
Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights

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