49. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , 3. Mai 2026

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Geständnis vorneweg: Ich bin pro-life, wie Sie auch leicht an der Anzeige in dieser Ausgabe erkennen können. An dieser Stelle höre ich dann oft ein schweres Atmen und ein ganz fettes Aber: „Aber ihr Rechten seid für die Todesstrafe!” Ich bin weder rechts, noch links, und erst recht nicht für die Todesstrafe. Pro-life geht bei mir sogar so weit, dass ich Pazifistin bin und Kriege niemals als Lösung sehe. Das können Sie natürlich herzlich gerne total anders sehen und mir auch schreiben. Leserbriefe – solange sie nicht ausfallend und beleidigend sind – werden immer veröffentlicht.

Eine Anmerkung noch für die „Neuen“ unter Ihnen: Kursiv gedruckte Texte sind Kommentare. Ich unterscheide klar zwischen einem Bericht und Meinung. So habe ich das früher gelernt. Wenn Ihnen das gefällt, sind Sie herzlich eingeladen, den „Sonn(en)tag“ durch eine Spende zu unterstützen. Möglichkeiten dazu finden Sie gleich nach den „Terminen“.

Herzlichst

Ursula Weyermann
[email protected] 

Jahrestag

3. Mai 1937
An diesem Tag im Jahr 1937 wird Margaret Munnerlyn Mitchell für ihren Südstatten-Roman „Gone with the Wind” mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Die gleichnamige Verfilmung aus dem Jahr 1939 mit Vivien Leigh und Clarke Gable ist einer der erfolgreichsten Filme überhaupt. Margaret Mitchell wird am 8. November 1900 als Tochter des Rechtsanwalts Eugene Muse Mitchell und Mary Isabelle „Maybelle“ Stephens in Atlanta geboren. Nachdem Margaret ihre Schul- und Collegeausbildung beendet hat, übernimmt sie nach dem frühen Tod der Mutter im Jahr 1918 den elterlichen Haushalt. Sie beginnt für die Zeitung „Atlanta Journal“ eine wöchentliche Kolumne in der Sonntagsausgabe zu schreiben und heiratete 1922 Berrien „Red“ Upshaw, von dem sie sich 1924 scheiden lässt. Und 1925 heiratet sie dessen Freund John Marsh.1926 ist sie wegen Verletzungen und Arthritis längere Zeit ans Bett gefesselt und beginnt, den Roman „Vom Winde verweht“ zu schreiben. Ihr Mann kauft ihr eine gebrauchte Reise-Schreibmaschine, auf der sie innerhalb der folgenden zehn Jahre das mehr als 1000 Seiten umfassende Buch fertigstellt. Es erscheint am 30. Juni 1936. Im selben Jahr verkauft sie die Filmrechte an ihrem Buch für 50.000 US-Dollar an den Produzenten David O. Selznick.

Die originalen Filmplakate sind heute ein beliebtes Sammlerstück - Foto: Wikiwall/MGM

Deutsche in Texas im 21. Jahrhundert:
Alexandra Berry

Vier Generationen - Foto: Privat

Alexandra Berry lebt seit 2014 in Texas. Und sie liebt Texas: „Die Kultur, die Hitze, einfach alles.“ Was sie nach Texas verschlagen hat? Ein Mann! Der heißt Michael und hat seine erste Duty-Station mit der Army in Berlin. Alexandra macht zu der Zeit eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Die beiden kennen sich gerade mal drei Monate, als sie beschließen zu heiraten. „Die Ehe wird höchstens sechs Monate halten“, prophezeien Freunde. Die beiden ignorieren das und reisen zum Heiraten nach Dänemark. Aus juristischen Gründen müssen sie dort drei Tage bleiben. „Wir waren in einer Pension“, erinnert sich Alexandra. Und da sind sie nicht die ersten heiratswilligen Gäste und die Zimmerwirtin ist bestens vorbereitet gewesen. „Sie hat die Betten auseinander gestellt gehabt“, erinnert sich Alexandra lachend. „Wir waren ja schließlich noch nicht verheiratet.“ Das ist 34 Jahre her. Jetzt leben Alexandra und Michael in San Antonio. Die erwachsenen Kinder sind ganz in der Nähe. Tochter Alissia arbeitet im Personalbüro der Air-Force. „Sie wohnt nur drei Minuten von uns entfernt, mit unserer Enkelin Annaliese“, freut sich Alexandra. Sohn Armand lebt auch in San Antonio. Noch. Bald wird der promovierte Mediziner nach Nebraska gehen.

Wuffi appoved

Die 55-Jährige hat zwei Jobs, einen am Tag, und den anderen am Abend und um Wochenende. Begleitet wird das von zwei unterschiedlichen Visitenkarten. Die blaue „Tageskarte“ verweist auf ihre Tätigkeit als Senior Director bei Personal- und Job-Vermittlungen überwiegend im Gesundheitsbereich. Die braune „Abend- und Wochenendkarte“ gibt Auskunft über ihre Tätigkeit als Maklerin. Und da hat sich die Hunde-Mama von Otto und Luka auf etwas ganz besonderes spezialisiert. Wenn Sie glauben, das hat mit Hunden zu tun, liegen Sie vollkommen richtig. Häuser, die sie vermittelt, sind nach ihren eigenen Worten „Wuffi approved“. Wer also ein Haus sucht, in das Hunde mit einziehen sollen, ist bei Fachfrau Alexandra in besten Händen.
Otto und Luka sind Weimaraner und erinnern an Alexandras deutsche Heimat in Berlin. Da lebt Mama Gerti, die zweimal pro Jahr zu Besuch nach San Antonio kommt. Weil Mamas Englischkenntnisse eher rudimentär sind, wird bei deren Besuchen deutsch gesprochen. Tochter Alissia spricht deutsch und auch die siebenjährige Enkelin Annaliese. „Dann sind vier Generationen zusammen“, freut sich Alexandra. „Meine Mutter ist Mitte 70 und sehr fit. Da hoffe ich, dass wir eines Tages auch noch ein Fünf-Generationen-Treffen auf die Beine stellen können.“

Echtes deutsches Frühstück

In San Antonio gibt es viele deutsche Gruppen. Unter anderem auch eine Wandergruppe. Und eine kleine Gruppe, die sich regelmäßig zu einem echten deutschen Frühstück trifft.
Alexandra engagiert sich ehrenamtlich bei „Texas Woman and Business“ und „Dress for Success“. Letztere Organisation kümmert sich darum, das Obdachlose und Langzeit-Arbeitslose wieder in die Arbeitswelt zurückfinden. „Ich gucke, dass die gescheit aussehen und mache die fit für das Interview.“
Ende Juni geht es wieder zur Mutter nach Deutschland, und die kleine Annaliese wird die ein paar Tage nur mit der Uroma verbringen.

Seit 34 Jahren verheiratet - Foto: Privat

Hundefreundliche Häuser - Bild/ai: A. Berry

Deutscher in Texas im 19. Jahrhundert: Louis Cachand/Ervendberg

Natürlich sind nicht alle deutschen Einwanderer in Texas anno dazumal „Heilige“ gewesen. Wir erinnern uns an Johann Friederich Ernst, der als Christian Friederich Diercks in Oldenburg als Posträuber tätig geworden und dann mit Frau und Kindern nach Texas geflohen ist. Seiner Tochter Caroline ist im Sonn(en)tag auch schon ein eigener Artikel gewidmet gewesen. Nun, Ernst gilt als erster Deutscher in Texas, der sich auch rührend um Neuankömmlinge gekümmert und geholfen hat. Da kann man wegen des Postraubes schon mal ein Auge zudrücken. Oder? Entscheiden Sie selbst, wie Sie das bei Louis Cachand Ervendberg handhaben wollen: Der wird am 3. Mai 1809 in Rhoden im ehemaligen Fürstentum Waldeck und Pyrmont als Sohn von Caspar Friedrich und Christiane Louise Cachand geboren.

Pfarrer in Industry, Cat Spring, La Grange …

Nach seinem Studium ist Louis Cachand als Privatlehrer in Warnow bei Perleberg in Brandenburg beschäftigt. Um 1833 nimmt er den Nachnamen Ervendberg an. Kurz nach seiner Auswanderung nach Amerika im Jahr 1837 gründet er Gemeinden im nördlichen Illinois. 1838 heiratet er seine deutsche Landsfrau Marie Sophie Dorothea Luise Münch aus Teuto, Illinois. Nach dem Tod eines Sohnes reist das Paar in die Gegend um Houston, wo Ervendberg Land für den Gemüseanbau erwirbt. Am 22. Dezember 1839 hält Ervendberg in Houston die ersten dokumentierten Gottesdienste der deutschen Gemeinde in Texas ab. Der Historiker Rudolph L. Biesele geht davon aus, dass Ervendberg im Jahr vor seinem Umzug nach Blumenthal im Colorado County regelmäßig Gottesdienste leitet. Während seiner Zeit als Pfarrer in Industry, Cat Spring, Biegel, La Grange und Columbus unterrichtet Ervendberg möglicherweise auch kurzzeitig gemeinsam mit Joseph Anton Fischer, mit dem er die erste Synode der deutschen christlichen Kirchen in Texas gründet. Ervendberg ist der erste Unterzeichner der Gründungsurkunde der Hermann University. Um die Zeit des Todes seiner kleinen Tochter wird Ervendberg von Fürst Carl von Solms-Braunfels eingeladen, die Einwanderer des Adelsvereins seelsorgerisch zu betreuen. Die deutsch-evangelische Gemeinde wird im Oktober 1845 gegründet. 1851 verliert Ervendberg seine Kanzel an einen engagierteren Pastor. Ferdinand von Roemer vermutet in seinen Aufzeichnungen, Ervendberg sei zu sehr abgelenkt gewesen. Das weibliche Geschlecht …

Exotische Weizensorten in Neu Wied

Sein wichtigstes Denkmal, das Waisenhaus Western Texas, wird 1848 gegründet. 1850 wird es durch die Western Texas University ergänzt, an der Landwirtschaft und, dank Mrs. Ervendberg, auch Hauswirtschaft gelehrt wird. Ervendberg nennt das Gelände Neu Wied und produziert dort Seide und experimentiert mit exotischen Weizensorten. Eine von ihm mitgegründete öffentliche Schule ersetzte bald sein „College“. Er ist außerdem erster Präsident der Landwirtschafts- und Gartenbaugesellschaft von Comal County, der ersten ihrer Art im Bundesstaat, erster Nachlassrichter von Comal County und erster Präsident des Demokratischen Vereins, eines Clubs zur Förderung der politischen Einheit unter deutschen Einwanderern. Im Jahr 1854 setzt er sich für die Teilnahme an der Deutsch-Amerikanischen Konferenz ein, einem Treffen von Deutschamerikanern in St. Louis.

Affäre und Kinder mit der Adoptivtochter

So, und jetzt zur skandalösen Seite: Mitte der 1850er Jahre beginnt Ervendberg eine Affäre mit Franzisca Lange, einem Waisenkind, das unter seiner Obhut steht. Dieses Verhalten sorgt in New Braunfels für einen gediegenen Skandal. Nachdem er sich mit seiner Frau versöhnt hat, schickt Ervendberg sie mit den drei gemeinsamen Töchtern in den Norden, um einen Neuanfang in einem anderen Bundesstaat zu planen. Offenbar ändert er jedoch seine Meinung und reist am 1. Oktober 1855 mit der damals siebzehnjährigen Franzisca und seinen beiden Söhnen nach Mexiko-Stadt. Ob er Franzisca nach der Scheidung von seiner ersten Frau tatsächlich heiratet, ist unklar, doch das Paar hat mindestens zwei Töchter.

Neue Familie mit der Adoptivtochter - Bild/ai: J. Staud

Lebensmittelpreise werden steigen

Die Landwirte in Texas sehen sich mit steigenden Kosten konfrontiert, da der Iran die Straße von Hormus blockiert hat, wodurch eine wichtige Schifffahrtsroute für Düngemittel abgeschnitten ist. Die Bank of America schätzt, dass einige Düngemittel seit der Schließung der Straße von Hormus bereits um 30 bis 40 Prozent teurer geworden sind, wobei die Harnstoffkosten seit Ende Februar um 47 Prozent gestiegen sind. Die Baumwollanbauer im Panhandle und die Obst- und Gemüsebauern im Rio Grande Valley arbeiten ohnehin schon mit minimalen Gewinnspannen und sehen sich nun mit 40-prozentiger Preiserhöhung bei Stickstoffprodukten konfrontiert. Zusätzlich sind die Preise für Dieselkraftstoff für landwirtschaftliche Betriebe seit Ende Februar um 46 Prozent gestiegen. Da liegt es auf der Hand, dass die Lebensmittelpreise steigen werden, sobald sich die höheren Inputkosten entlang der Lieferkette bemerkbar machen.

„Kaufabwicklung“ bei Kindern

Und derzeit in Deutschland so? Da gibt es ein Thema, neben Buckelwal Timmy und Krieg (jawohl, in der Reihenfolge), das die Gemüter erhitzt. Das gekaufte Kind von Hendrik Streeck. Gut, Streeck und sein Mann drücken es etwas anders aus. Sie sprechen von Leihmutterschaft, was die Sache aber nicht besser macht. Dass Streeck mit einem Mann verheiratet ist, interessiert mich nicht. Aber Streeck ist Politiker, und sollte als solcher eine Vorbildfunktion haben. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Im weitesten Sinne fällt das Thema ins Ressort Gesundheit und Streeck sitzt für die CDU im Gesundheitsausschuss.
Das Kind Streecks ist im US-Bundesstaat Idaho zur Welt gekommen. Dort ist Leihmutterschaft legal, die „Kaufabwicklung“ ebenfalls, und das Gesamtpaket schlägt mit 100.000 bis 200.000 Dollar zu Buche.
Streecks Partei hat noch im Februar auf ihrem Parteitag beschlossen, dass Leihmutterschaft verboten bleiben soll. Unter anderem, weil sie Frauen versklavt und ihre Körperteile und Kinder zur Ware macht. Eine natürliche Bindung zwischen Mutter und Kind wird bewusst auseinandergerissen. Was als moderne „Familienvielfalt“ angepriesen wird, ist für mich eine moralische Bankrotterklärung. Für mich sind aber jedwede „Bastelaktionen“ zum Thema Kinderwunsch nicht nachvollziehbar. Es gibt bereits so viele Kinder, die nach einem liebevollen Zuhause suchen. Für mich stellt sich dann die Frage, will sich da jemand wirklich um Kinder kümmern, oder geht es hauptsächlich darum, die eigenen Gene weiterzugeben? Und ja, als sich kümmernde Stiefmutter darf ich mir so einen Kommentar erlauben.

Söhne und Töchter Texas (14)

Mary Elizabeth Spacek wird am 25. Dezember in Quitman als Tochter von Virginia Frances und Edwin Arnold Spacek geboren. Die Familie des Vaters hat ihre Wurzeln in der Tschechei und Deutschland. Mary Elisabeth, von allen nur Sissy genannt, klettert als Kind auf Bäume, spielt im Wald und reitet Pferde. Sie besucht die örtliche High School und wird Home coming Queen. Ihr Vetter Rip Torn ist Schauspieler, und Sissy findet seinen Job ziemlich cool. Und so zieht sie nach New York und schreibt sich durch ihn in der New Yorker Filiale des Actors Studio ein. Sie studiert Schauspiel am Lee Strasberg Institute und arbeitet gleichzeitig als Model und Sängerin. Sie tritt in West-Village-Showcases wie „The Bitter End“ für 10 Dollar pro Abend auf. Sissy kommt schließlich zum Film und eine ihrer ersten Rollen ist die der Holly in dem Klassiker „Badlands – Zerschossene Träume“ von 1973. Art Director dieses Films ist Jack Fisk , der zukünftig auch privat eine sehr wichtige Rolle spielen soll. Die beiden heiraten 1974 und arbeiten in Folge in acht Filmen zusammen. 1976 erscheint „Carrie: Des Satans jüngste Tochter“. „Nashville Lady (Coal Miner's Daughter), der Film, der sich am Leben der Country-Ikone Loretta Lynn orientiert, bringt internationale Anerkennung. Loretta Lynn selbst hat Spacek für die Rolle gewünscht und mit ihr gemeinsam den Kentucky-Akzent geübt. Sissy Spacek singt alle Lieder in dem Film selbst.

Blue Ridge Mountains

Privat leben Sissy und Jack auf einer Pferderanch in den Ausläufern der Blue Ridge Mountains in Virginia. Die beiden Töchter sind längst erwachsen. Obwohl sie in den späten 80er und 90er Jahren weiterhin in Film und Fernsehen auftritt, widmete Sissy die meiste Zeit ihrer Familie. 2001 kehrt sie in großem Stil auf die Leinwand zurück, mit einer starken Leistung in „In the Bedroom“, was ihr nicht nur eine sechste Oscar-Nominierung für die beste Hauptdarstellerin einbringt, sondern auch einen Gewinn als beste Hauptdarstellerin bei den Golden Globes, den Independent Spirit Awards und zahlreichen Preisen der Critics Association.

Naturverbunden wie Sissy Spacek - Bild/ai: J. Staud

Termine für Deutsche in Texas

5. Mai, 17.30 Uhr
Abendrunde
Café Baklava
Killeen

5. Mai, 11.30 Uhr
Stammtisch
New Oriental Restaurant
Harker Heights

9. Mai, 13 Uhr
Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights

9. Mai, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

13. Mai, 17.30 Uhr
Stammtisch
El Corral
Copperas Cove

14. Mai, 13 Uhr
Liederkranz
Restaurant Brick Oven
12093 US-190
Kempner

20. Mai, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb & Ernie's
Copperas Cove

21. Mai, 17.30 Uhr
Happy Hour Treff San Antonio
Ernie's Patio Bar
Cibole

23. Mai, 13 Uhr
Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights

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