54. Ausgabe

Sonn(en)tag

  1. Ausgabe , 4. Oktober 2026

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

den Tag der Deutschen Einheit haben wir jetzt gerade so verpasst. Wobei ich mir die Frage stelle, ob die Deutsche Einheit jemals stattgefunden hat. Es zeigt sich immer wieder, dass die Menschen aus der ehemaligen DDR ganz feine Antennen haben, wenn es um Einschränkung der Bürgerrechte geht. Da ist der Westen doch eher lethargisch. Wird schon irgendwie gutgehen. Irgendwann geht es nicht mehr gut. Waren Sie eigentlich auch so entsetzt wegen der Impferei auf dem Münchener Oktoberfest? Dazu habe ich mich im Kommentar geäußert. Lassen Sie mich gerne Ihre Meinung dazu wissen.

Herzlichst

Ursula Weyermann
[email protected] 

Jahrestag

4. Oktober 1989
Ende September 1989 flüchten Tausende DDR-Bürger in die bundesdeutsche Botschaft in Prag. Nach zähen Verhandlungen dürfen sie in die Bundesrepublik ausreisen. Die DDR-Führung stellt jedoch eine Bedingung: Die Sonderzüge müssen über DDR-Gebiet geleitet werden, um die Souveränität des Staates zu demonstrieren und die Flüchtlinge offiziell „auszubürgern“. Als bekannt wird, dass diese „Züge in die Freiheit“ auch über den Dresdner Hauptbahnhof rollen werden, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Tausende Menschen strömen am 4. Oktober zum Bahnhof. Viele wollen einfach nur aufspringen und ebenfalls flüchten; andere demonstrieren friedlich für Reformen und Reisefreiheit. Die DDR-Führung riegelte den Bahnhof mit einem riesigen Aufgebot an Volkspolizei, Transportpolizei und Stasi-Einsatzkräften ab. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Schlagstöcke und Tränengas gegen die Menschenmenge ein. Frustrierte und wütende Demonstranten wehren sich, werfen Steine und setzen ein Polizeifahrzeug in Brand.

1.500 Menschen festgenommen

Die Scheiben des Bahnhofsgebäudes gehen zu Bruch, und die Gleise gleichen einem Schlachtfeld. Die Züge passieren den Bahnhof schließlich unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und mit verrammelten Türen. Die Sicherheitskräfte nehmen in dieser und den folgenden Nächten
 fest. Viele von ihnen werden tagelang unter erbärmlichen Bedingungen festgehalten. Die SED-Führung bereitet sich währenddessen, trotz der Proteste und Fluchtwelle, auf die offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Staatsgeburtstag der DDR am 7. Oktober vor.

Proteste am Dresdener Bahnhof - Bild:ai/gemini/weyermann

Der Deutsche mit den Longhorns

David und Taylor Mager sind zu bekennenden Landeiern geworden - Foto: Privat

Und immer ist ein Longhorn in der Nähe - Foto: Privat

Wie er nach Texas gekommen ist? „Durch Zufall“, lautet die Antwort von David Mager. Ganz sicher ist er sich dabei allerdings nicht. Jedenfalls ist er heute „verdammt froh, hier zu sein“. Hier meint hauptsächlich die kleine Farm, zwei Autostunde von New Braunfeld entfernt, die er zusammen mit seiner Frau Taylor bewirtschaftet. Im Haupt- oder Nebenberuf. Das ist Auslegungssache. Bedingt durch die Stellung seines Vaters bei der Bundeswehr, ist David bis zu seinem 18. Geburtstag 16. Mal umgezogen. In Italien hat er als Zehnjähriger für drei Jahre eine amerikanische Schule besucht. Neue Länder und neue Herausforderungen schrecken ihn nicht. Wieder in Deutschland hat er mit 15 Jahren eine Ausbildung zum Koch gemacht, in Alfter bei Bonn. Danach wird er von der Bundeswehr einberufen, nach Berlin. Dort darf er für Staatsempfänge kochen und „Aal für Merkel aufschneiden“.

Restaurants in Australien eröffnet

Über ein Restaurant in Sydney am Meer führt es David wieder zurück nach Deutschland. Dort avanciert er zu einem der jüngsten Küchen-Chefs mit Veranstaltungen für Unternehmen wie Audi und BVB. In Koblenz macht er den Küchen-Meister und lässt wieder nach Australien locken. „Für das Unternehmen durfte ich insgesamt acht Restaurants eröffnen“, blickt er zurück. „Von der Baustelle, über die Einrichtung, Einarbeitung der Mitarbeiter bis zur Eröffnung.“ Alldieweil lebt er in Hotels und führt einen „nomadischen Lifestyle“. Und dann kommt Covid. Und alle Ausländer müssen Australien verlassen. Sein ehemaliger Chef in Deutschland stellt ihn wieder ein. In seinem Restaurant in Rheinbach. Und dann kommt die Flutkatastrophe im Ahrtal. Auch David ist betroffen und wird vom THW aus dem zweiten Stock des Restaurants gerettet. Von dem, was das Restaurant ausgemacht hat, ist danach nichts mehr übrig.

2000 Dollar und ein paar Klamotten

So, und jetzt geht es nach Texas. Beim Scrollen auf dem Handy bleiben Davids Augen bei einer Anzeige hängen. „Deutscher Koch in Texas gesucht.“ Er bewirbt sich, es gibt ein Vorstellungsgespräch über WhatsApp und kurze Zeit später hat er einen Arbeitsvertrag. Die Unterlagen für ein Arbeits-Visum zusammenzustellen, fällt ihm nicht schwer. Da kommt ihm die Erfahrung mit Australien zugute. Am 21. August 2021 landet er schließlich in San Antonio: „Mit 2000 Dollar, ein paar Klamotten und guter Laune.“ Die Arbeit in dem Restaurant in New Braunfeld gefällt ihm gut und nach acht Tagen lernt er seine zukünftige Frau Taylor in einem Park kennen. Taylor ist als Missionarin in Afrika gewesen und arbeitet jetzt online für eine Firma in Kalifornien. David sucht neue Herausforderungen und findet die im „Alpine Haus“. Hier gibt es hochwertige deutsche Küche, bei der nichts aus der Konserve kommt. Und er ist Küchen-Chef. Zurzeit nur noch an drei Tagen in der Woche. Wegen der Farm …

Traktor reparieren

Das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Vor zwei Jahren haben Taylor und er sich Land gekauft. „Wenn wir in Rente sind, ziehen wir dahin“, ist die ursprüngliche Idee gewesen. Dann kommt der Ratschlag: „Wenn ihr eine Kuh darauf stellt, zahlt ihr weniger Property Tax.“ Gesagt, getan. Kurz darauf ziehen ein Bulle und eine Kuh ein. „Besser, ihr holt euch noch einen Esel“, empfiehlt ein Nachbar. Aus einem Esel werden zwei und ein Kalb. Dazu gesellen sich mittlerweile noch zehn Schafe und zwei Hasen. Letztere wohnen aber im Haus. Wobei das Wort Haus eine leichte Übertreibung darstellt. Zumindest für texanische Verhältnisse. Die Grundfläche beträgt 200 Square Foot. Das „richtige Haus“ steht in New Braunfeld. Aber da sind die Magers immer seltener anzutreffen. „In Texas bin ich zum Landei geworden“, bekennt David freimütig. Und da, wo er lebt, ist er als „der Deutsche mit den Longhorns“ bekannt. Die Ranch ist mittlerweile mit Branding eingetragen und die Schafe werden gezüchtet, auch um Lokale mit Lammfleisch zu versorgen. Zwischen Kühe streicheln, Fische füttern, Stall bauen und Traktor reparieren fühlt David sich sauwohl: „Ich bin so dankbar für alles.“

Idylle auf der Farm - Foto: Privat

Impfaktion auf der Wiesen: Darf’s a bisserl mehr sein?

Heute endet das Oktoberfest in München. Die Betrachtung eines solchen Events, vor allen Dingen aus der Ferne, ist natürlich rein subjektiv. Auch wenn es mir auf allen Kanälen um die Ohren und Augen gehauen wurde, so ist es nicht das Heidi-Fest, was mich aus den Latschen gehauen hat. Nein, es ist das Impfen. Die Aktion ist Teil der Kampagne „München impft“ und wirbt damit, dass sich Besucher, Beschäftigte und andere Impfwillige ohne Termin gegen Grippe und Covid impfen lassen können. Echt jetzt? Kommt mir vor wie an der Fleischtheke: Darf’s a bisserl mehr sein? Erinnert mich an die Zeiten, in denen man Menschen mit ner kostenlosen Bratwurst an die Spritze bringen wollte. Und für Männer gab es sogar einen Rabatt im Puff. Bei dieser geschmacklosen Aktion war jedoch noch nicht hinreichend bekannt, wie wirkungslos - oder gar schädlich - die Covid-Impfung war. Zudem wurde bei Covid das mRNA-Verfahren angewendet, das mittels Botenstoff einen genetischen Bauplan in den Körper einschleust. Unzureichend getestet und nur durch den Panik-Modus Pandemie rechtfertigt. Aber es ist durchgesetzt worden und heute interessiert das Procedere kaum noch jemanden. Und jetzt kommt die „gute“ Nachricht. Die Grippe-Impfung gibt mancherorts auch schon als mRNA.

Besser keinen Alkohol 

Zurück zu den Zeiten, als man sich zu den Impfungen noch keine Gedanken machte und die Grippe-Impfung im Herbst zum guten Ton gehörte. Vor etlichen Jahren hab ich mich regelmäßig impfen lassen, da ich als Journalistin und Sozialarbeiterin im Herbst ständig angehustet und angeniest wurde. Mein Arzt achtete immer darauf, dass ich zum Zeitpunkt des Piekses kerngesund war und danach Zeit zum Ausruhen hatte. Wie mag das Wohl bei der Münchener Massenabfertigung aussehen? Kommen die Menschen da wirklich gesund an? Und ruhen die sich danach aus? Gut, die Impfer weisen darauf hin, dass man nach der Spritze keinen Alkohol trinken soll. Aber genau wegen des Alkohols kommen die Leute doch zum Oktoberfest. Ich finde diese Aktion im höchsten Maße verantwortungslos.

Ursula Pirtle ist mit ihrem Alpenmarkt beim Oktoberfest in Opa’s Schnitzel Hut zu finden

Deutsch-Texaner und die Sklaven-Frage

In den 1850er Jahren lehnten viele Deutsch-Texaner die Sklaverei entschieden ab, was sie von vielen umliegenden Plantagengemeinden im Süden unterschied und während des Bürgerkriegs zu schweren Konflikten wie dem Massaker von Nueces führte. Selbiges war ein gewaltsamer Zusammenstoß am 10. August 1862 in Kinney County bei dem konföderierte Soldaten eine Gruppe deutschstämmiger Unionstreuer töteten. Zum Hintergrund: Viele deutsche Einwanderer im texanischen Hill Country lehnten die Sklaverei ab und hielten zur Union. Nach dem Wehrpflichtgesetz der Konföderation floh eine Gruppe von rund 68 deutschstämmigen Männern unter Führung von Fritz Tegener Richtung Mexiko, um sich von dort aus der Unionsarmee anzuschließen. Konföderierte Truppen unter dem Befehl von Leutnant Colin McCrae spürten die Gruppe auf und griffen das Lager im Morgengrauen an. 19 Unionisten starben beim ersten Angriff oder wurden kurz danach hingerichtet, darunter verwundete Gefangene. Weitere flüchtende Männer wurden in den Folgetagen getötet; insgesamt kostete das Ereignis 36 deutsch-texanische Männer und Jungen das Leben

Denkmal in Comfort

In Comfort erinnert das Denkmal „Treue der Union“ an die Opfer. Es ist das einzige Denkmal für die Union im ehemaligen konföderierten Süden. Das Monument dient gleichzeitig als Grab. Nach dem Ende des Bürgerkriegs kehrten Überlebende und Angehörige an den Nueces-Fluss zurück, um die verstreuten Gebeine der Gefallenen zu bergen. Am 10. August 1865, also exakt drei Jahre nach dem Massaker, wurden die Überreste in Comfort beigesetzt. Ein Jahr später wurde das Denkmal darüber eingeweiht.

Hier die Namen:
Leopold Bauer
Friedrich (Fritz) Behrens
Ernst Bessler (teilweise auch als Ernst Boerner gelistet)
Albert Bruns
Hugo Degener
Hilmar Degener
Pablo Diaz (auf dem Denkmal als Pablo Dias)
J.G. Kalenberg
Heinrich Markwart
Christian Schäfer
Louis Schierholz
Heinrich StevesEmil Schreiner (auf dem Denkmal als Amrey Schreiner)
Wilhelm Telgmann
Friedrich (Fritz) Vater
Adolf Vater
Michael Weirich
Heinrich Weyershausen

So oder so ähnlich ging es damals zu - Bild:ai/gemini/weyermann

Töchter und Söhne Texas’ (19)

Als Gregory Wayne Abbott am 13. November 1957 in Wichita Falls geboren, und damit ein waschechter Sohn Texas’, wächst Greg in einem christlich geprägten Umfeld auf und studiert Finanzwissenschaften an der University of Texas at Austin sowie Rechtswissenschaften an der Vanderbilt University. Im Alter von 26 Jahren wird er beim Joggen von einer umstürzenden Eiche getroffen. Der Unfall führt zu einer Querschnittslähmung, weshalb er seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Klagen gegen Regierung

Zunächst dient Greg Abbott als Bezirksrichter in Houston und wird 1996 vom damaligen Gouverneur George W. Bush an den Supreme Court von Texas berufen. 2002 wird er zum Chief Legal Officer (Generalstaatsanwalt) des Bundesstaates gewählt. In dieser Rolle erlangt er nationale Bekanntheit durch zahlreiche Klagen gegen die US-Bundesregierung unter Barack Obama (u. a. zu Umweltauflagen, dem Affordable Care Act und Waffengesetzen) sowie durch seine Verteidigung konservativer Positionen vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Abbott gewinnt die Gouverneurswahl 2014 und wird 2018 und 2022 wiedergewählt.

Bau von Grenzzäunen

Er ist bekannt für ein sehr hartes Durchgreifen an der Grenze zu Mexiko, den Bau von Grenzzäunen und den kontroversen Bustransport von Migranten in von Demokraten geführte Städte. Ebenso geht die Durchsetzung einiger der strengsten Abtreibungsgesetze in den USA sowie Unterzeichnung von Gesetzen zur Lockerung des Waffenrechts und Einschränkung von LGBTQ+-Initiativen im Bildungsbereich auf ihn zurück. Weiterhin steht er für zielgerichtete Ansiedlung von Großunternehmen in Texas bei gleichzeitigem Festhalten an niedrigen Steuern und das Vorantreiben von „School Choice“-Programmen (Schulgutscheine).

Hispanische First Lady

Greg Abbott ist seit 1981 mit Cecilia Phalen Abbott verheiratet, der ersten hispanischen First Lady in der Geschichte von Texas. Das Paar hat eine adoptierte Tochter.

Greg Abbott - Foto: Wikimedia Commons

Tipps für Kids

Die German-Texan Heritage Society in Austin bietet immer mal wieder interessante Veranstaltungen für Kids an, dazu gehören auch die Lesungen … natürlich auf deutsch. Einfach mal den QR-Code auf dem Plakat scannen und informieren.

Termine für Deutsche in Texas


6. Oktober, 17 Uhr
Abendrunde
Café Baklava
Killeen

10. Oktober, 16 bis 20 Uhr
Oktoberfest
Restaurant Opa’s Schnitzel Hut inkl. Biergarten
1608 E FM 2410 Knights Way
Harker Heights

10. Oktober, 13 Uhr
Stammtisch mit Oktoberfest
Restaurant Edelweiß
Harker Heights

10. Oktober, 13 Uhr
Deutscher Stammtisch in Houston
La Madeleine
5885 San Felipe
(findet jeden Samstag statt)

10. Oktober, 11 bis 19 Uhr
Oktoberfest in Austin
507 E 10TH ST
Austin

21. Oktober, 13 Uhr
Kaffeerunde
Herb & Ernie's
Copperas Cove

24. Oktober, 13 Uhr
Stammtisch
Restaurant Edelweiß
Harker Heights

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